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Editorial

Not macht erfinderisch. Dieses Sprichwort drängt sich auf, wenn man die Hintergründe und Details zur Einführung der Zuckersteuer kennt. Geht es um die Gesundheit der Menschen oder doch eher um eine Möglichkeit, schnell die klammen Kassen des Bundeshaushaltes zu füllen? Machen Sie sich selber ein Bild: Ab Seite 785 lesen Sie die Standpunkte der Getränkeverbände zu dem Thema. Glücklicherweise beschränkt sich der Erfindungsreichtum aber nicht auf die Geldsuche zu Lasten der Wirtschaft. Wir haben heute auch einige interessante technische Lösungen für Sie:

Ungewöhnlich, aber technisch nachvollziehbar – Mit einer neuen Technologie, die Ultraschall einsetzt, werden mehrere klassische Schritte im Sudhaus in einem einzigen System zusammengeführt, so die Idee der Autoren, die sich sicher sind, dass dies nicht nur Gefäße, Leitungen und Umpumpprozesse einspart. Es ergeben sich auch technologisch Effekte mit Potenzial für die Herstellung alkoholreduzierter oder -freier Biere, da sich die Sensorik verändert, wie erste Versuche an der Schweizer Hochschule für Life Science in Windisch zeigen. Mehr dazu ab Seite 797.

Optimierte Sauerstoffversorgung – Das Wohlergehen der Hefe in der Propagation hängt unter anderem von der Sauerstoffsättigung im Propagationsmedium ab. Die hohe Kunst des stressfreien Hefezüchtens liegt also darin, zur richtigen Zeit die richtige Belüftung einzustellen. August Krinner und Dr. Georg Schumm, Krinner Druckluft GmbH, haben ein Verfahren aus dem Tauchsport für die Hefepropagation weiterentwickelt und mit dem Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie in Weihenstephan getestet. Ab Seite 800 stellen wir das Verfahren und die ersten Ergebnisse vor.

Objektiv gealtert – Die technischen Anforderungen an Verpackungen wie Mehrwegflaschen und deren Wiederverwendung steigen stetig – ebenso wie regulatorische Rahmenbedingungen. Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit müssen stärker als bisher objektiv nachgewiesen werden. Hier setzt das Forschungsprojekt OVerMe der VLB Berlin an, das eine Datenbasis schaffen soll, mit der sich Alterungsprozesse von Mehrwegflaschen objektiv messen und bewerten lassen. Langfristig sollen daraus neue Prüfverfahren und Handlungsempfehlungen entstehen. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 803.

Datengestützt statt mit Bauchgefühl – Zum Schluss sei noch auf die aktuelle Folge von Bier & Bytes hingewiesen, die Sie auf brauwelt.com in unserer Mediathek finden. In unserem Podcast zur Digitalisierung der Brau- und Getränkebranche sprechen wir dieses Mal über das nach wie vor viel zu wenig genutzte Potenzial von Maschinendaten, was dazu führt, dass Entscheidungen noch viel zu oft vom „Bauchgefühl“ beeinflusst sind. Hören Sie doch mal rein und lernen Sie außerdem, warum die Flaschenwaschmaschine ein hervorragendes Beispiel ist.

Editorial

Der Herbst ist in der Brauwirtschaft traditionell eine Zeit des Zusammen-kommens und des Austausches. Denn nach dem anstrengenden Sommer ist endlich wieder etwas mehr Zeit für Veranstaltungen innerhalb der Brauwirtschaft, für Inspiration und die Planungen für die kommenden Monate.

Ungeachtet andauernder Reizthemen wie der Zuckergetränkesteuer (Seite 741) oder auch des sorgenvollen Blicks auf die ersten Alphasäure-Analysen (Seite 744) gibt es schon viel Positives zu berichten: So freuen sich die Deutsche Meisterin der Biersommeliers/-sommelièren Iris Eickert und der Deutscher Meister der Hobbybrauer Daniel Martini über ihre frisch errungenen Titel (Seite 741 bzw. 742). Die beiden sind ein schönes Beispiel für Wissen, Leidenschaft und handwerkliches Können in unserer Branche.

Aber dessen nicht genug: „Die Braubranche verfügt über exzellente Forschung, innovative Start-ups, erfahrene Unternehmen und hochspezialisierte Technologiepartner“, sagen die Initiatoren von Brewery2030+ Prof. Martina Gastl, Dr. Roman Werner und Dr. Stefan Lustig. Mit ihrer Initiative wollen sie der schwierigen Lage unserer Branche etwas entgegensetzen, denn dadurch eröffnen sich auch enorme Chancen. Ihr Ziel ist es, die Innovationskraft der Brau- und Getränkeindustrie durch Zusammenarbeit und intensiven Austausch zu steigern. Was die drei planen, lesen Sie ab Seite 772.

Schankanlagenhygiene ist auch so ein Reizthema, über das sich schon viele den Kopf zerbrochen haben, denn immer noch allzu oft nimmt ein mit viel Sorgfalt hergestelltes Bier auf dem Weg zum Zapfhahn Schaden. Ab Seite 760 stellen wir ein neues und bei der VLB Berlin geprüftes Verfahren vor, das Schankleitungen mit ozonisiertem Wasser reinigt.

Prozessführungsstrategie – Wer beim Blick auf den schwindenden Bierabsatz (Seite 746) über Alternativen wie Kombucha nachdenkt, den wird der Beitrag ab Seite 751 interessieren. Marie Ludszuweit und Co, VLB Berlin, beschäftigen sich schon seit einiger Zeit mit der Kombucha-Produktion. Jetzt haben sie Versuche zur belüfteten Prozessführung hinsichtlich der sensorischen Qualität von Kombucha durchgeführt und können Ansätze für Prozessführungsstrategien aufzeigen.

Positive Effekte – Mit Teil 3 ab Seite 748 beschließen wir die Reihe zum Thema „Bier, Alkohol und Gesundheit – zwischen Emotionen und Fakten“ von Dr. Hubertus Schneiderbanger, Forschungszentrum Weihenstephan. Seinen Ansatz, der Alkohol-Verteufelung mit neutraler, objektiver Information über wissenschaftliche Studien etwas entgegenzusetzen, finde ich sehr gelungen.

Editorial

Auf der Theresienwiese in München wird dieser Tage wieder die Maß gestemmt. Ein Liter Festbier, eine schöne Menge. Vor der man vielleicht aber auch ein kleines bisschen Respekt haben sollte. Paracelsus, Arzt und Naturforscher des 16. Jahrhunderts, hätte an dieser Ausgabe jedenfalls seine helle Freude gehabt. Von ihm stammt der Grundsatz „Die Dosis macht das Gift“, und um das richtige Maß geht es in dieser Ausgabe gleich mehrfach.

Moderater Konsum – Im zweiten Teil der Serie „Bier, Alkohol und Gesundheit“ ziehen die Autoren eine differenzierte Bilanz der aktuellen Studienlage. Dass moderater Konsum der Gesundheit schadet – „vom ersten Tropfen“, wie seit kurzem von der WHO verbreitet – lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht so nicht halten, jedenfalls nicht als erhöhtes Risiko für die Gesamtmortalität. Ausgedrückt als praktische, alltagstaugliche Dosieranleitung: Lieber regelmäßig wenig, als gelegentlich viel (ab S. 713).

Spezialmalze – New Make Whisky ist ein frisch destilliertes, nicht fassgereiftes Whiskydestillat, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Der Einsatz von Spezialmalzen bietet die Möglichkeit, den Charakter von New Make direkt zu prägen. Bei der Entwicklung von neuen Rezepten ist zwischen Malzen zu unterscheiden, die auch in hohen Schüttungsanteilen eingesetzt werden können, und solchen, deren Verwendung aufgrund geringerer enzymatischer Aktivität begrenzt werden muss (ab S. 719).

Konventionelle Hopfung – Mindestens genauso subtil bei der Dosierung muss man vorgehen, wenn man ein ansprechendes Hopfenaroma ins Bier bringen möchte, aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf die Technologie der Kalthopfung zurückgreifen kann. Aber wer die Hopfengaben im Heißbereich gezielt setzt, kann auch ohne den zusätzlichen Prozessschritt des Hopfenstopfens ein ausgeprägtes Hopfenaroma erzielen (ab S. 722).

Biogas – Wird die organische Fracht im Abwasser anaerob behandelt, entsteht Biogas – für viele Betriebe längst Teil des Energiekonzepts. Damit das Gas zuverlässig im BHKW genutzt werden kann, benötigt der Betreiber belastbare Werte der Zusammensetzung. Und hier zeigt sich, dass auch elektrochemische Sensoren in der Biogasanlage das rechte Maß benötigen, denn lange und zuverlässig messen die nur, wenn die mittlere Gaskonzentration deutlich unter ihrem Messbereich liegt (ab S. 726).

Ihnen wünsche ich auf jeden Fall, dass Sie immer die oder das richtige Maß für sich finden!

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Die aktuellen Rahmenbedingungen der Getränkebranche sind – um es einmal vorsichtig zu formulieren – herausfordernd. Das lässt sich kaum mehr schönreden. Der Veränderungsdruck, unter dem die Brauwirtschaft steht, kann aber auch eine Chance darstellen, bestehende Strukturen, Verfahren und Vorstellungen neu zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Dieses Spannungsverhältnis betrachten wir in dieser Ausgabe aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Rohstoffversorgung – Nur mit zweizeiliger Sommerbraugerste lässt sich eine gute Würze herstellen. Solche traditionellen Vorstellungen von der „richtigen“ Sorte wirken angesichts der Klimakrise als zunehmend aus der Zeit gefallen. Eine vielversprechende Möglichkeit zur Sicherung der Rohstoffversorgung stellt Winterbraugerste dar. Die züchterische Weiterentwicklung der letzten Jahre hat malz- und brautechnologische Mängel der alten Sorten weitgehend behoben, wie Versuche in Weihenstephan zeigen (ab S. 680).

Verfahrenseffizienz – Auch bei etablierten Verfahren stellt sich die Frage, ob sie unter veränderten Rahmenbedingungen noch in gleicher Weise notwendig sind. Die Würzekochung lässt sich aus technologischer Sicht nur schwer verkürzen, da sie unter anderem dafür sorgt, freies und aus dem Vorläufer SMM entstehendes DMS auszutreiben. Versuche im Pilotmaßstab haben gezeigt, dass eine kontrollierte hydrodynamische Kavitation die Umwandlung des Vorläufers intensivieren und sogar Gesamt-DMS-Werte unterhalb von klassischem wallendem Kochen ermöglichen kann (ab S. 683).

Bierstile – Veränderung bedeutet nicht zwangsläufig, mit dem Bewährten zu brechen. Gerade die Vielfalt der heutigen Bierstile zeigt, dass sich die lange Tradition der Braubranche immer weiterentwickelt hat. So kommt das in der Schweiz weit verbreitete Spezial dem klassischen Pils zwar recht nahe, wartet aber mit feinen sensorischen Unterschieden auf. Die Autoren plädieren für die offizielle Anerkennung als eigenständigen Bierstil (ab S. 688).

Reisbier – Tradition kann auch Ausgangspunkt für etwas völlig Neues sein. Die Berliner Sake-Brauerei Reigen ist ein Beispiel dafür, wie japanische Brautradition, europäische Rohstoffe und sehr unterschiedliche Kulturen zusammenfinden können (ab S. 691). Die Geschichte von Reigen begann in einem Zen-Kloster der japanischen Alpen, führte über eine traditionsbewusste Sake-Brauerei zur Gründung der ersten Sake-Brauerei Deutschlands, die Tradition nicht einfach kopiert, sondern weiterdenkt und mit neuen Einflüssen verbindet.

Editorial

Vor einiger Zeit, an einem der sehr heißen Tage dieses Sommers, saß ich mit dem Vater eines Klassenkameraden meines Sohnes im Garten und wir ließen uns ein alkoholfreies Bier schmecken. Der siebenjährige Sohn wollte einen Schluck probieren, darauf der Vater: „Nein, da ist ja immer noch Alkohol drin.“ Worauf ich mich nicht enthalten konnte, zu bemerken, dass man dann beim Verzehr von reifen Bananen, Fruchtsäften und auch beim selbst gebackenen Sauerteigbrot erhöhte Vorsicht walten lassen müsste. Aber ich will mich nicht weiter in Rage reden, sondern mich wie Dr. Hubertus Schneiderbanger und Prof. Martina Gastl an die Fakten halten. In einer dreiteiligen Serie analysieren sie auf wohltuend „nüchterne“ Weise die wissenschaftlichen Artikel der letzten Jahre hinsichtlich gesundheitsschädigender Wirkungen des Alkohols (ab S. 641).

Hopfenwetter – Das Wetter in diesem Jahr war definitiv nicht für den Hopfen gemacht, überdurchschnittlich viele Hitzetage, unterdurchschnittlich viel Regen. Mario Scholz konnte beim Hopfentag der IGN auf der Haben-Seite lediglich verbuchen, dass die Bestände gesund sind. Allerdings ist mit massiven Ertragseinbrüchen zu rechnen, für die Hopfenpflanzer ein Desaster. Die Empfehlung lautet, mit der Ernte soweit möglich abzuwarten, damit sich die aktuellen Regenfälle noch positiv auf die Alpha-Werte auswirken können (ab S. 633).

Wissenmanagement – Wo aufgrund der wirtschaftlichen Lage Investitionen in neue Anlagen kaum zu rechtfertigen sind, lohnt der Blick auf eine oft unterschätzte Ressource: das Erfahrungswissen der Belegschaft in Ihren Betrieben. Klug genutzt mit Unterstützung einer speziellen Form künstlicher Intelligenz, dem Machine-Learning, lassen sich geradezu erstaunliche Steigerungen der Gesamtanlageneffektivität erzielen, wie messbare Ergebnisse aus Praxisdaten zeigen (ab S. 645).

Bierbegeisterung – Es gibt sie noch, die Bier-Nerds. Ich rede von den deutschen Hobbybrauern, deren Speerspitze am 5. September in Stralsund im Störtebeker Brauquartier zur zehnten Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer zusammenkommt. Im Interview spricht Organisator Jens Reineke-Lautenbacher über zehn Jahre zwischen Craft Bier-Welle, Pandemie-Boom und einer leidenschaftlichen Community, der kein Thema zu tief geht (ab S. 656).

Ich persönlich lasse mir nicht die Bierbegeisterung nehmen und habe in diesem Sommer meine neue Lieblingssorte entdeckt. Von dem Schankbier einer mittelfränkischen Brauerei – Alkoholgehalt 2,7 Vol.-% und beim besten Willen kaum von einem Vollbier zu unterscheiden – trinke ich einfach doppelt so viel. Wohl bekomm’s!

Editorial

Ich bin sicher, vielen von Ihnen aus der Seele zu sprechen, wenn ich sage: Dieser Sommer ist mehr als anstrengend. Was früher als schöne Jahreszeit galt, in der Leichtigkeit und Urlaubsstimmung in der Luft lag, ist heute eine Zeit voller Krisen und Probleme.

Klimawandel, Kriege, Konsumflaute und Kostendruck – das sind die wichtigsten Gründe für die aktuell schwierige Marktlage in der Brau- wie der Hopfenbranche. So war es auch beim Kongress des Internationalen Hopfenbaubüros zu hören, das kürzlich in Ingolstadt tagte. „Wir spüren in vielen Bereichen Gegenwind“, sagte der scheidende Präsident Leslie Roy, der allerdings zuversichtlich war, gemeinsam viele Probleme lösen zu können. Daneben gibt es auch viel Positives vom Kongress zu berichten (ab Seite 597).

Mit „Deutsche Bierexporte im Gegenwind“ überschreibt Christiane Hohmann ihr Resümee zum deutschen Exportgeschäft 2025. Was 2024 noch ein Hoffnungsträger war, der innerdeutsche Absatzverluste milderte, hat nun seinerseits ein Problem. Zwar konnten sich einzelne Brauereien dem Negativtrend entziehen und der Export in EU-Mitgliedstaaten blieb erfreulich stabil, aber die Großwetterlage verschlechterte sich deutlich (Seite 604).

Relevante Momente – Einen Blick auf die Hintergründe wirft der Beitrag von Dr. Uwe Lebok, Kontext+Analyse, Nürnberg. Nachdem der Bierkonsum allzu spürbar an Selbstverständlichkeit verliert, beleuchtet er in „Weshalb Bier nicht nur Hektoliter, sondern auch Momente verliert“ die Frage, in welchen Situationen Bier für junge Menschen künftig wieder das Getränk der Wahl sein kann (ab Seite 611).

Gesamtkunstwerk Fußboden – Auch er muss viel aushalten – und könnte es bei richtiger Planung und Umsetzung auch. Aber das hat Seltenheitswert, wie Lars Peuker feststellen musste. Dabei ist der Boden wortwörtlich das Fundament der Produktion. Was der Sachverständige bei seinen Vor-Ort-Begehungen alles gesehen hat und worauf man unbedingt achten sollte, erfahren Sie ab Seite 607 (und in einer bemerkenswerten Bildergalerie in der BRAUWELT Mediathek auf www.brauwelt.com).

Zum Schluss noch ein Hinweis auf etwas Leichtes und Unkompliziertes, denn eine neue Folge unseres Podcasts Bier & Bytes steht für Sie online zum Anhören bereit. In dieser Ausgabe geht es um gute Gründe, im Herbst zur BrauBeviale nach Nürnberg zu reisen und sich über die Innovationen zu aktuellen Themen wie Ressourceneffizienz, Entalkoholisierung, Wertschöpfung aus Nebenströmen oder Digitalisierung zu informieren. Hören Sie doch mal rein!

Editorial

Jetzt hat es uns also auch erwischt. Sie haben sicherlich alle unseren digitalen Medien entnommen oder es hat sich herumgesprochen, dass der Fachverlag Hans Carl Insolvenz anmelden musste. Der Schock saß bei uns tief und – wie wir den vielen herzerwärmenden Nachrichten, die uns seitdem erreichten, entnehmen – auch bei Ihnen. Die Gründe sind schnell beschrieben: „Als auf eine einzige Branche fokussierter Verlag spüren wir die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage der Brauwirtschaft und der Zulieferindustrie deutlich“, so Michael Schmitt, Geschäftsführer und Vertreter der 6. Generation des familiengeführten Unternehmens.

Für Sie als unsere Abonnenten und Vertriebskunden ist aber wichtig zu wissen, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterläuft: Alle Online- und Printausgaben erscheinen wie geplant.

Auch der Blick auf die Marktdaten bietet wenig Positives. Christiane Hohmanns Überblick über die Fassbierabsätze 2025 in Deutschland zeigt ein deutliches Minus für alle Regionen und spiegelt die Entwicklung der Außerhaus-Nachfrage, also der Gastronomie, wieder (Seite 567). Das lässt auch für dieses Jahr nichts Gutes erwarten.

Aber kommen wir zu Erfreulicherem, den Beiträgen zu technisch-technologischen, praxisrelevanten Themen, für die die BRAUWELT seit vielen Jahrzehnten bekannt ist. Veronika Franz vom Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie in Weihenstephan hat nach einem Weg gesucht, die Zinkversorgung der Hefe für die Gärung zu verbessern. Ihr Ansatz der Zinkextraktion aus Heißtrub mittels Sauergut ist vielversprechend (ab Seite 572). Dr. Florian Lehnhardt vom Forschungszentrum Weihenstephan hat sich dagegen der Wissenslücke zur Alterungs(in)stabilität von Weizenbieren angenommen und beschreibt ab Seite 576 Zusammenhänge, die der Brauer kennen sollte.

Als mir der Beitrag angeboten wurde, ahnte ich noch nichts von der Parallelität der Ereignisse. Ich fand den Gedanken charmant, dass die BRAUWELT damit zur Rettung des Freisinger Furtnerbräus beitragen kann. Immerhin ist dieses Traditionshaus nicht nur für Freisinger Bürger, sondern darüber hinaus sicher allen wichtig, die in Freising ihre Studienzeit verlebt haben (Seite 579). Jetzt ist die Suche nach Investoren, um in eine erfolgreiche Zukunft zu gehen, für den Furtnerbräu ebenso bedeutsam wie für uns.

Und so kann ich den Appell nur für uns ausweiten: Halten Sie der BRAUWELT die Treue und unterstützen Sie uns, soweit es Ihnen möglich ist. Das BRAUWELT-Team tut seinerseits ebenfalls alles dafür.

Editorial

Das Ziel war, Wissen für die Braubranche zu erarbeiten, um Probleme selber lösen zu können und damit den Betriebsablauf möglichst frei von Störungen zu halten. Was sehr aktuell klingt, beschreibt die Gründungsidee zur Wissenschaftlichen Station für Brauerei in München und ist exakt 150 Jahre alt. Es zeigt aber auch deutlich, dass die Suche nach Optimierung nie aufhört.

Damals wie heute – Seitdem hat die Wissenschaftliche Station viel geleistet und wird hoffentlich auch in Zukunft weiter dazu beitragen, wissenschaftliche Grundlagen zu erarbeiten und aktuellen Herausforderungen mit Know-how zu begegnen. Das wünschte sich ihr Vorsitzender Dr. Marc Kusche bei der diesjährigen Mitgliederversammlung, wo auch die eigens erstellte Festschrift (vgl. Seite 529) vorgestellt wurde. Das Hauptaugenmerk lag aber wie immer auf der Präsentation der aktuellen Forschungsergebnisse. Einen Überblick dazu erhalten Sie ab Seite 525. 

Finanzlücke – Auch der Staat sucht stetig nach Lösungen, die aber nicht für jeden eine Verbesserung darstellen – Stichwort Zuckersteuer. Die Spitzenverbände der deutschen Getränkewirtschaft sprechen bei den Plänen zur überstürzten Einführung sogar von einem Affront gegen den Mittelstand und vermuten als Motivation dafür eher staatliche Haushaltslöcher als Gesundheitsschutz für die Bevölkerung. Die Argumente der Verbände lesen Sie ab Seite 526.

Neue Karrierechancen für Biertreber? – Die Suche nach einer alternativen Verwendung für den reichlich anfallenden Biertreber ist nicht neu. Neben der Nutzung als Futtermittel und anderen, weniger verbreiteten Möglichkeiten könnte Biertreber auch als Adsorptionsmittel in Frage kommen, um verunreinigte Wässer von toxischen Schwermetallen zu befreien, wie eine Studie an der TU München jetzt zeigte. Details dazu ab Seite 538.

Gute Voraussetzungen – Industrielle Batteriespeicher können die betriebliche Stromrechnung deutlich senken. Während in technischen Debatten meist die Hardware im Vordergrund steht, ist für die Wirtschaftlichkeit jedoch die Steuerung entscheidend, sagt Lukas Eckert, Voltvera GmbH, Münster. Er hat „Vier Hebel für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern“ gefunden (Seite 541).

Apropos Suche – In Ergänzung zu unserer gedruckten BRAUWELT finden Sie online auf brauwelt.com nahezu täglich aktuelle Informationen zu neuen Entwicklungen, Termine und mehr. Schauen Sie doch mal rein …

Editorial

… denn auf was kann man sich heutzutage noch verlassen? Nicht auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und anscheinend auch nicht auf das Statistische Bundesamt. Dieses sah sich auf Anfrage von Dr. Winfried Maatz genötigt, die unglaubliche Mitteilung zu machen, dass „die Alkoholsteuerstatistik 2024 definitiv überhöhte Mengen ausweist“. So wurde ein Pro-Kopf-Alkoholkonsum von 11,0 Litern berechnet, real betrug er aber nur 9,5 Liter. Und mit dieser eben mal gut 15 Prozent zu hohen Zahl hantieren seitdem Abstinenzorganisationen und Politik (S. 491 und Buchtipp auf S. 505).

Bier-Botschafter – Da stimmt es doch versöhnlich, dass auf dem Deutschen Brauertag Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, als neuer „Botschafter des Bieres“ ausgezeichnet wurde (S. 489). Christian Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes: „Alois Rainer ist ein überzeugender Botschafter für eine Branche, die Verantwortung, Qualität und Heimatverbundenheit miteinander verbindet.“

Schwachstellen – In Bezug auf Verantwortung und Qualität finden sich im Produktionsbereich immer wieder Bereiche, die nicht richtig erfasst werden. Die durch das Kontrollsystem durchrutschen und letztendlich bei Nichtbeachtung massive mikrobiologische Probleme verursachen können. Dr. Klaus Litzenburger führt in seinem Beitrag viele Schwachstellen auf, bei denen es sich lohnt, einmal genauer hinzusehen (ab S. 502).

Autonome Inspektion – An dieser Stelle knüpfen Tobias Saxler und Pascal Fuhr an: Bei Gerolsteiner führt „Rocky“, ein autonomer Roboter auf vier Beinen, Routineinspektionen durch und liefert als wesentlichen Mehrwert standardisiertes Reporting. Ein „Selbstläufer“ ist die Einführung autonomer Roboter aber keineswegs, und abseits der technischen Herausforderungen ist unbedingt zu bedenken, dass das Thema Robotik auch der Belegschaft nähergebracht sein will (ab S. 506).

Bier-Leidenschaft – So sehr Technik wie „Rocky“ den Brauereialltag prägt, am Ende tragen Menschen das Thema Bier. 2005 schlug die Geburtsstunde des Verbands der Diplom Biersommeliers, der inzwischen zu einer internationalen Organisation mit über 1600 Mitgliedern gewachsen ist, die als an der Basis und in der Praxis wirkende Bier-Botschafter agieren. Dr. Markus Fohr unternimmt ab Seite 511 einen Streifzug durch 20 Jahre Geschichte des Verbandes. Mein Fazit: Kontrolle ist gut, Genuss ist besser!

Editorial

Der Sommer hat Einzug gehalten und mit ihm der Blick auf die Getreidefelder und Hopfengärten, die auch 2026 wieder den ungewöhnlichen (oder doch mittlerweile schon gewohnten?) Wetterbedingungen Stand halten müssen. Das wird für so manch’ neue Herausforderung sorgen. Daher schauen wir heute nochmal genauer auf die verschiedenen Rohstoffe.

Braugerste – Selbst der DBMB-Braumeistertag in Magdeburg kam nicht am Thema vorbei, wurde doch Dr. Stefan Hör dort mit dem Dr. Sarx-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Er hielt den Festvortrag zu „Klimabedingten Qualitätsschwankungen von Braugerste“. Was sonst noch dort passierte, haben wir ab Seite 449 zusammengefasst. Ab Seite 458 finden Sie dann die Ergebnisse des Berliner Programms zur Ernte 2025, die Dr. Jennifer Schneiderbanger und Co, BGT, Weihenstephan, zusammengestellt haben. Das Programm bewertet neue Braugerstensorten auf ihre Braueignung. In diesem Jahr erhielten gleich zwei Sorten die begehrte Verarbeitungsempfehlung. Weiter geht’s mit der Qualitätskontrolle: Ramūnas Berkmanas vom litauischen Unternehmen GrainODM stellt mit „Moderne Getreidekontrolle: KI gegen fünf Laboranten“ eine Studie vor, die zeigt, wo KI im Vergleich zur Beurteilung von Getreideproben durch den Menschen steht (ab Seite 466).

Hopfen – Auch der Hopfen hat mit dem Klima zu kämpfen, weswegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien an trockenheitstoleranten Hopfensorten geforscht wird (ab Seite 469). Zudem sinkt mit dem Bierkonsum die Anbaufläche (Seite 450), während gleichzeitig nach neuen Einsatzmöglichkeiten gesucht wird. Schon vor Jahren hat der Hopfenwirkstoff Xanthohumol ob seiner Eigenschaften für großes Interesse gesorgt. Jetzt hat sich Dr. Alicia Muñoz, BarthHaas, Nürnberg, im Zusammenhang mit alkoholfreien Produkten nochmal damit befasst (ab Seite 463).

Alternative Hefe – Werfen wir noch einen kurzen Blick auf „Zygosaccharomyces bailii in der Brauerei“, so der Titel des Beitrages von Fotini Drosou et al. von der Universität West Attika, Athen, Griechenland: Diese Nicht-Saccharomyces-Hefe galt früher klar als Bierverderber, erhält heute aber eine zweite Chance, da ihre Aromabildung für bestimmte Biere spannend ist und so zur Produktdifferenzierung beitragen kann (ab Seite 474).

Alternativprogramm – Wem das nun zu viel geballtes Rohstoff-Wissen ist, dem sei zur Abwechslung der aktuelle Podcast „Bier & Bytes“ auf www.brauwelt.com empfohlen. Mit Henning Meyer von Kontor-N GmbH & Co. KG, Bremen, sprechen wir über die „Digitalisierung in Brauereien – Was tun, um jetzt nicht den Anschluss im Markt zu verlieren?“ Einen schönen Sommer wünscht

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