Eingabehilfen öffnen

Editorial

Der Sommer hat Einzug gehalten und mit ihm der Blick auf die Getreidefelder und Hopfengärten, die auch 2026 wieder den ungewöhnlichen (oder doch mittlerweile schon gewohnten?) Wetterbedingungen Stand halten müssen. Das wird für so manch’ neue Herausforderung sorgen. Daher schauen wir heute nochmal genauer auf die verschiedenen Rohstoffe.

Braugerste – Selbst der DBMB-Braumeistertag in Magdeburg kam nicht am Thema vorbei, wurde doch Dr. Stefan Hör dort mit dem Dr. Sarx-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Er hielt den Festvortrag zu „Klimabedingten Qualitätsschwankungen von Braugerste“. Was sonst noch dort passierte, haben wir ab Seite 449 zusammengefasst. Ab Seite 458 finden Sie dann die Ergebnisse des Berliner Programms zur Ernte 2025, die Dr. Jennifer Schneiderbanger und Co, BGT, Weihenstephan, zusammengestellt haben. Das Programm bewertet neue Braugerstensorten auf ihre Braueignung. In diesem Jahr erhielten gleich zwei Sorten die begehrte Verarbeitungsempfehlung. Weiter geht’s mit der Qualitätskontrolle: Ramūnas Berkmanas vom litauischen Unternehmen GrainODM stellt mit „Moderne Getreidekontrolle: KI gegen fünf Laboranten“ eine Studie vor, die zeigt, wo KI im Vergleich zur Beurteilung von Getreideproben durch den Menschen steht (ab Seite 466).

Hopfen – Auch der Hopfen hat mit dem Klima zu kämpfen, weswegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien an trockenheitstoleranten Hopfensorten geforscht wird (ab Seite 469). Zudem sinkt mit dem Bierkonsum die Anbaufläche (Seite 450), während gleichzeitig nach neuen Einsatzmöglichkeiten gesucht wird. Schon vor Jahren hat der Hopfenwirkstoff Xanthohumol ob seiner Eigenschaften für großes Interesse gesorgt. Jetzt hat sich Dr. Alicia Muñoz, BarthHaas, Nürnberg, im Zusammenhang mit alkoholfreien Produkten nochmal damit befasst (ab Seite 463).

Alternative Hefe – Werfen wir noch einen kurzen Blick auf „Zygosaccharomyces bailii in der Brauerei“, so der Titel des Beitrages von Fotini Drosou et al. von der Universität West Attika, Athen, Griechenland: Diese Nicht-Saccharomyces-Hefe galt früher klar als Bierverderber, erhält heute aber eine zweite Chance, da ihre Aromabildung für bestimmte Biere spannend ist und so zur Produktdifferenzierung beitragen kann (ab Seite 474).

Alternativprogramm – Wem das nun zu viel geballtes Rohstoff-Wissen ist, dem sei zur Abwechslung der aktuelle Podcast „Bier & Bytes“ auf www.brauwelt.com empfohlen. Mit Henning Meyer von Kontor-N GmbH & Co. KG, Bremen, sprechen wir über die „Digitalisierung in Brauereien – Was tun, um jetzt nicht den Anschluss im Markt zu verlieren?“ Einen schönen Sommer wünscht

Editorial

Der Mai mit seinen vielen Festen und Veranstaltungen ist vorbei, so auch die jährliche Brauer-Gala im Münchner Löwenbräukeller – ein Abend, in dem die bayerische Bierkultur ausgiebig gefeiert wird. Traditionell wird die Goldene Bieridee für die Pflege und Präsentation der bayerischen Bierkultur verliehen. Wer für welche Idee ausgezeichnet wurde, lesen Sie ab Seite 413. Auch die Wahl der neuen bayerischen Bierkönigin Katharina Kastenmüller ging dort über die Bühne. Wir gratulieren zur Wahl und wünschen ein spannendes und abwechslungsreiches Regierungsjahr (Seite 414). Die guten Wünsche gehen ebenso an Dr. Stefan Kreisz. Der an diesem Tag frisch gewählte neue Präsident des Bayerischen Brauerbundes waltete bei der Brauer-Gala erstmals seines neuen Amtes (Seite 413).

Sudhaus als Datenquelle – „In der Brauerei könnte KI bald eine entscheidende Rolle bei der Prozessoptimierung, der Sicherstellung gleichbleibender Produktqualität und der Minimierung des Ressourcenverbrauchs spielen“, sind die Autoren des Beitrages „Erkennung von Anomalien im Sudhaus“ (Seite 424) überzeugt. Die Zusammenarbeit des Brau- und Getränketechnologie-Lehrstuhls in Weihenstephan und der Siemens AG ist ein gelungenes Beispiel für die Integration moderner Technologien in unsere Branche, da solche Systeme Echtzeit-Feedback für den Bediener bereitstellen und Störzeiten reduzieren können.

Rückblick 2025 – Es ist zwar kein Abbild der Situation weltweit, trotzdem liefert die statistische Auswertung bierschädlicher Mikroorganismen aus Proben, die 2025 am Forschungszentrum Weihenstephan untersucht wurden, einen guten Überblick über die mikrobiologische Situation in den Betrieben. Welche Bierschädlinge wann wo und mitunter auch warum auftraten, wissen Oliver Kunz & Co. ab Seite 427.

Hopfenwissen – Vor 100 Jahren wurde die Gesellschaft für Hopfenforschung in Hüll gegründet. Ihre Arbeit war die Basis für viele Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und ist heute so wichtig wie damals. Der Gründungsgedanke „Forschung im Dienst der Praxis“ trägt die Gesellschaft bis heute und sicherlich noch lange darüber hinaus. Im BRAUWELT-Interview mit Geschäftsführer Walter König sprechen wir über die bewegte Vergangenheit der GfH, aktuelle Herausforderungen und Wege in die Zukunft (Seite 436).

Apropos Zukunftssicherung: Thema der aktuellen Folge von BRAUWELT - der Podcast auf www.brauwelt.com ist gerade „Brauereien unter Druck – wie Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern“. Hören Sie doch mal rein …

Editorial

Das Konsumverhalten der Menschen verändert sich, und dies offensichtlich unabhängig von Alter und Geschlecht, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von YouGov Deutschland zeigt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die Antworten darauf können es auch sein.

Paradigmenwechsel im Trinkverhalten – Das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung wächst, ebenso der Wunsch nach mehr Kontrolle und bewusster Lebensgestaltung. Die Folge sind neue Formen von Genuss und sozialem Miteinander. Die Herausforderung für die Unternehmen wird daher sein, unterschiedliche Genussmomente und flexible Bedürfnisse zielgerichtet anzusprechen. Einen kurzen Überblick über die Ergebnisse der YouGov-Studie geben wir ab Seite 379.

Alternativen – Während sich in diesem schwierigen Umfeld die Mineralbrunnenbranche 2025 über ein erneutes Plus freuen durfte, wie Christiane Hohmann ab Seite 384 darlegt, gibt es auch für Brauereien und Mälzereien noch Möglichkeiten: Das 5. Symposium „Sauer fermentierte alkoholfreie Getränke“ der VLB Berlin widmete sich zwei Tage lang Getränken wie Kombucha, Wasserkefir und Co. Das sind vielversprechende Getränke-Alternativen, und Brauer und Mälzer bringen dafür genau die richtige Expertise mit. Ab Seite 377 werfen wir einen Blick auf die Veranstaltung. Die breitgefächerte Ausbildung der Brauer und Mälzer lohnt sich also mehr denn je – gute Aussichten für unseren Nachwuchs, trotz derzeit schlechter Bier-Absatzzahlen eine berufliche Perspektive zu haben (Seiten 378 und 379).
 
Sparpotenzial – Nicht nur die Absatzzahlen, auch die Kosten, vor allem die Energiekosten belasten die Branche. Doch auch hier lässt sich durch die beharrliche Suche nach Lösungen vieles erreichen. In unserem heutigen Schwerpunktthema Energie und Umwelt zeigen wir z.B. ab Seite 389, wie es die FäserMalz GmbH geschafft hat, Energieflüsse transparent zu machen, Einsparpotenziale zu identifizieren und die regenerative Ausrichtung des Standortes in Giengen weiter auszubauen. Denn, so das Fazit von FäserMalz-Chef Michael Doetsch, auch etablierte Produktionsbetriebe verfügen über erhebliche energetische Einsparpotenziale. Entscheidend ist eine gesamtheitliche Betrachtung.

Soweit zu den Schwerpunkten in dieser BRAUWELT-Ausgabe. Und nicht vergessen: täglich www.brauwelt.com.

Editorial

Das Flaschenkellerseminar ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Brauer. Viele sind jährlich dabei und nutzen die Chance, sich aus erster Hand zu informieren. Für mich ist dieser enge Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, Anlagenbauer und Anwender ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor, den man in anderen Branchen vergeblich sucht.

Wissenstransfer – Die 31. Auflage des Seminars kam abermals diesem Zweck nach und brachte die Teilnehmer auf den neusten Stand: Wie sieht die neue Abfüllung in Zwettl aus? Wie die moderne Umpackanlage bei Maisels? Und wie schafft man endlich mehr Transparenz bei der Leergutrückführung? Gerade letzteres ist ein Paradebeispiel für den Einsatz von KI, aber nicht nur hierbei: Die KI-Themen füllten einen ganzen Tag und zeigten eindrücklich ihr Potenzial für die Brauwirtschaft (ab Seite 341).

Strukturiertes Vorgehen – Sie passt oft nicht in den Arbeitstag, wird falsch eingesetzt oder unregelmäßig durchgeführt. Dabei ist die sensorische Analyse als Instrument der Qualitätssicherung so wichtig, wie wir in Teil 1 des Beitrags von Sarina Lindtner und Dr. Florian Lehnhardt, Forschungszentrum Weihenstephan, Freising, gesehen haben. Im heutigen zweiten Teil geht es um die Implementierung verschiedener sensorischer Methoden im Betrieb. Die Autoren benennen Problemfelder, bieten Lösungsansätze zu Organisation und Strukturierung an und zeigen, dass die Sensorik – richtig eingesetzt – eines der mächtigsten Werkzeuge moderner Brauereien ist (Seite 353).

Gezielte Auswertung – Auch mit relativ einfachen Mitteln lässt sich viel erreichen. Schwandverluste werden zwar oft bereits digital erfasst, aber nicht abteilungsübergreifend ausgewertet. Markus Aschenbrenner hat in seiner Bachelorarbeit an der HSWT für die Brauerei C. Wittmann ein Excel-basiertes Tool zur automatischen Schwandanalyse entwickelt, das Produktionsdaten automatisch zusammenführt und die Verluste entlang der gesamten Prozesskette übersichtlich darstellt. Mehr dazu ab Seite 347.

Motiviertes Personal – Basis für all das ist motiviertes Personal und das fehlt mitunter. Aber es gibt auch hier Mittel und Wege, die Probleme abzumildern. Dr. Oliver Hettmer, Winnenden, beschäftigt sich ab Seite 361 mit der Bindung vorhandener Mitarbeiter – die Jungen und Tatkräftigen ebenso wie die Älteren und Erfahrenen, die hier eine wichtige Rolle spielen (ab Seite 361).

Editorial

Der sinkende Bierabsatz zwingt zum Umdenken. Brauereien müssen über ihr gewohntes Produkt Bier hinaus denken und nach zusätzlichen Produkten und Einkommensquellen suchen. Dabei stehen die Chancen, fündig zu werden, gar nicht schlecht, gibt es doch noch viel Innovationspotenzial.

Erweitertes Getränkeportfolio – Wie man mit bestehenden Anlagen, neuen oder bekannten Rohstoffen und wissenschaftlichen Impulsen zu einem breiteren Getränkeportfolio kommt, war Mitte April Thema der neuen Eventreihe „Schulz Ideenschmiede“, die im Hause Kaspar Schulz in Bamberg unter dem Motto „Vom Bier zum Beverage-Portfolio“ stattfand. In Praxisbeispielen und Erfahrungsberichten wurde deutlich, dass Brauer ihr Potenzial als „Technologen für flüssige Lebensmittel“ noch lange nicht ausgeschöpft haben (ab Seite 301) – was übrigens auch unser Beispiel auf Seite 302 zeigt, wo ein Glücksgriff bei der Hefejagd zu einem auch technologisch neuen alkoholfreien Bier geführt hat.

Moderne Stabilisierungsmöglichkeit – Bis in die 1970er-Jahre wurde in der Braubranche Calcium-Bentonit zur Bierklärung eingesetzt, was jedoch mitunter zu hohem Schwand und Schaumproblemen führte. Anders sieht es aus, wenn Natrium-Bentonit verwendet wird. In einem Projekt bei der Alpirsbacher Brauerei wurden Versuche mit Natrium-Bentonit, u.a. als Alternative zu PVPP durchgeführt. Alexandra Steffens, Erbslöh GmbH, und ihre Co-Autoren erklären ab Seite 318 die Wirkungsweise und welche Ergebnisse es in Alpirsbach gab.

Anspruchsvoll – Einerseits spielt sie eine zentrale Rolle in der modernen Betriebskontrolle, andererseits gilt die Sensorik als zeitintensiv, schwer standardisierbar und äußerst personenabhängig. Und eine Übersicht, welche Vorgehensweisen sich bewährt haben, fehlt auch. Das hat das Forschungszentrum Weihenstephan veranlasst, eine Umfrage durchzuführen, dessen Ergebnisse wir ab Seite 314 vorstellen. Erstaunlich: Zwar nutzen alle befragten Brauereien die sensorische Analyse – aber auf höchst unterschiedliche Weise.

Alternativlos bis heute – Abschließend widmen wir uns – passend zum gerade begangenen Tag des Deutschen Bieres – ab Seite 324 einem besonderen Giganten der Biergeschichte, dessen berühmtes Reinheitsgebot sicher besser bekannt ist als sein bewegtes Leben. Die Rede ist von Herzog Wilhelm IV. von Bayern, der in einer Zeit großer Entdeckungen und Umwälzungen geboren wurde, aber, wenn auch aus anderen Gründen, den Beinamen „der Standhafte“ erhielt. Das würde auch zu seinem Erlass passen …

Editorial

Wissen ist Macht, heißt es so schön. Aber Wissen allein bringt nichts, wenn es in der berühmten Schublade verstaubt. Kurz gesagt: Forschung und Entwicklung bringen uns voran, aber nur wenn die neuen Erkenntnisse auch Eingang in die Praxis finden.

Eng verzahnt – Mit dem Ziel, Innovation und praktische Anwendung miteinander zu verbinden, hatte die VLB Berlin Ende März 2026 nach Erding zur VLB-Frühjahrstagung geladen und ein dicht gepacktes, abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. Neben den fast schon allgegenwärtigen Themen Alkoholfreies, alternative Produkte oder Einsatz von KI gab es auch klassische Themen wie z.B. zur Prozessoptimierung und zu Einsparpotentialen in der Produktion. Ebenfalls ein Thema war die aktuelle Diskussion zum Thema „No safe level“. Details dazu lesen Sie ab Seite 265.

Schnittstelle zwischen Industrie und Wissenschaft – Vom 6. bis 9. September 2026 findet in Rotterdam der 40. EBC-Kongress statt. Nicht nur das Datum ist für langjährige Kongressbesucher ungewöhnlich. Es hat sich auch sonst viel verändert. Im BRAUWELT-Interview sprechen wir mit dem EBC-Geschäftsführer John Brauer über das geplante Programm der Veranstaltung, deren herausragendes Merkmal es ist, eine Schnittstelle zwischen Industrie und Wissenschaft zu sein und Wissen in einen Kontext zu stellen, wie Brauer betont. Warum Sie in Rotterdam dabei sein sollten, wenn Sie sich für brauwissenschaftliche Themen von Rohstoffen bis zur Nachhaltigkeit interessieren, erfahren Sie ab Seite 281.

Von der Theorie in die Praxis – Das Projekt ist mehr als der schlichte Ersatz einer 25 Jahre alten Füllerei. Mit der neuen Flaschenabfülllinie in Zwettl ist eine der leistungsfähigsten Glas-Mehrweg-Abfüllanlagen Österreichs entstanden. Sie ist ein klares technisches wie strategisches Signal und ein erster Baustein einer umfassenden Masterplanung zur Neuausrichtung der gesamten Brauerei. Ab Seite 274 erläutern Dr. Stefan Flad vom Technischen Büro Weihenstephan in Freising und Heinz Wasner von der Privatbrauerei Zwettl das Konzept und die Umsetzung, mit der Lieferfähigkeit, Nachhaltigkeit und Flexibilität gewährleistet werden.

Apropos Eingang in die Praxis finden – Vor einigen Wochen haben wir Sie hier an dieser Stelle informiert, dass wir unseren Internetauftritt brauwelt.com täglich aktualisieren und um neue Nachrichten ergänzen. Haben Sie es schon ausprobiert? Es lohnt sich, täglich einen kurzen Blick auf unsere Webseite zu werfen – und wir würden uns freuen, wenn dies Teil Ihrer Tagesroutine wird.

Editorial

Eine wichtige Take-Home-Message, die ich vom VLB-Logistikfachkongress Anfang März in Meschede (ab S. 221) mitgenommen habe: Technische Lösungen für sehr viele Herausforderungen stehen bereit, es gilt nur, sie mutig und konsequent umzusetzen.

Emissionsfrei – Ein ziemlich beeindruckendes Projekt, das verdeutlicht, was im Extremfall technisch schon heute möglich ist, ist die vor zwei Jahren in Eemshaven eröffnete Mälzerei von Holland Malt. Die Anlage arbeitet unter vollständigem Verzicht auf fossile Brennstoffe. Wie bei jedem nicht-trivialen Unternehmen waren natürlich auch hier Startschwierigkeiten unvermeidlich. Festzuhalten ist aber, dass die bei der Inbetriebnahme entwickelten Lösungen der gesamten Branche Ausblicke auf das, was vor ihr liegt, bieten – sowohl auf Probleme als auch auf Chancen. Eine Bilanz nach zwei Jahren im Betrieb lesen Sie ab Seite 238.

Kohlensäure – Anlagen zur Rückgewinnung von Gärungskohlensäure sind im Vergleich zum Eemshavener Projekt nicht mehr ganz so spektakulär und auch für mittelständische Brauereien eigentlich schon Stand der Technik. Und jede installierte Anlage trägt zur Versorgungssicherheit mit Kohlensäure bei. Bei dem hier vorgestellten Projekt bei einer mittelständischen Brauerei bestand die besondere Herausforderung in den baulichen Gegebenheiten: Es stand kein ausreichend großer zusammenhängender Maschinenraum zur Verfügung, die Anlage musste stattdessen in zwei Gebäuden über jeweils zwei Stockwerke verteilt installiert werden (ab S. 243).

Hefejagd – In ihrer Marktbetrachtung der Brauereigruppen im Jahr 2025 schreibt Christiane Hohmann – auch wenn endgültige Zahlen noch nicht vorliegen – von einem „historischen Aufschwung“ für das Segment alkoholfreier Biere (ab S. 227). Auch wenn das den sinkenden Bierabsatz nur teilweise abfedern kann, doch eine erfreuliche Entwicklung. An technischen Methoden zur Entalkoholisierung von Bier mangelt es nicht, doch gerade für kleinere Brauereien stellen Maltose-negative Hefen einen investitionsfreien Einstieg in die Welt der alkoholfreien Biere dar. Als vielversprechendes Jagdrevier für solche Hefen entpuppen sich Streuobstwiesen, die aufgrund ihrer Bewirtschaftungsform die Biodiversität von Hefepopulationen fördern (ab S. 234).

Editorial

Nein, ich erspare Ihnen jetzt den Hinweis auf all die negativen Schlagzeilen über Alkoholverzicht, abnehmenden Bierkonsum, Energieverteuerung und die Weltlage im Allgemeinen. Sie gibt es durchaus auch noch, die positiven Entwicklungen und Lichtblicke.

Fest verankert – Anouk Buskens von Yougov Deutschland zum Beispiel beschreibt in ihrem Beitrag über Markttrends ab Seite 209 die Braubranche als ein „Segment im Übergang“. Für sie befindet sich die Branche weder in einem klassischen Wachstumszyklus noch in einem strukturellen Niedergang. Zu beobachten sei vielmehr eine Ausdifferenzierung nach Lebensstilen, Nutzungssituationen und Altersgruppen. Alkoholfreie Getränke entwickeln sich zu einer wichtigen Ergänzung, ohne den Kernmarkt zu verdrängen. Bier bleibe fest im Konsumalltag verankert. Gute Chancen hat, wer die richtige Kundenansprache findet.

Energetische Transformation – Auch im Beitrag von Marvin Wirtz und Matthias Kern, IGS, Hallbergmoos, zum Energieeinsatz in Brauereien ab Seite 195 zeichnet sich Positives ab. Der heutige Teil 2 zum Betriebevergleich Energie (BVE) richtet seinen Fokus auf die bezogenen Energieträger. Der Vergleich mit der Vergangenheit zeigt, dass die Transformation hin zu regenerativer Energie und zu größerer Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern sicher noch weitergehen muss, aber z.B. im Bereich Eigenstromerzeugung und -nutzung bereits erfreuliche Ausmaße annimmt.

Digitalisierung mit Folgen – Die Digitalisierung der Getränkebranche hat in den letzten Jahren ein Ausmaß entwickelt, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Das hat Folgen: Produktionslinien sind heute hochvernetzte cyber-physische Anlagen (wie man auch am Einsatz mobiler Robots in der neuen Abfüllung bei Veltins ab Seite 203 sehen kann). Ohne gemeinsame Datensprache aller Anlagenteile funktioniert das aber nicht. Christoph Nophut, Weihenstephan, erläutert ab Seite 192 die Rolle der Weihenstephaner Standards als Kommunikationsschnittstelle im Rahmen der OPC UA, die es letztendlich auch kleineren Unternehmen ermöglichen soll, Digitalisierungspotenziale zu nutzen. Gleichzeitig steigen mit der Vernetzung auch die Cyberrisiken. Das weiß die österreichische Pilz GmbH aus leidvoller eigener Erfahrung. Ab Seite 206 erläutert Gerhard Stockhammer, welche Vorsichtsmaßnahmen heute bereits vorgeschrieben sind, zeigt häufige Schwachstellen auf und betont, dass Cyber Security zwar eine technische, aber vor allem organisatorische Aufgabe ist.

Editorial

Auf den Trend zur persönlichen „Selbstoptimierung“ angesprochen, vor allem in Bezug auf den Alkoholkonsum, reagiert man in der Braubranche aus nachvollziehbaren Gründen skeptisch. Gleichzeitig gilt: Wer wirtschaftlich und technologisch konkurrenzfähig bleiben möchte, muss selbst an der Optimierungsschraube drehen und sichere Grundlagen für den Betrieb schaffen … manchmal mit dem Blick über den Tellerrand.

Energiekennzahlen – Der vor über 30 Jahren ins Leben gerufene Betriebevergleich Energie ermöglicht es Brauereien, ihren eigenen Energieeinsatz mit der Branche zu vergleichen. Dafür steht eine umfassende Datengrundlage zur Verfügung. Im ersten von zwei Teilen stellen Ihnen Marvin Wirtz und Matthias Kern die grundsätzliche Entwicklung der Energiekennzahlen seit 1992 vor und erläutern, welche Kostenvorteile sich durch konsequente Effizienzsteigerungen ergeben (ab S. 154).

Produktqualität – Langfristig behauptet sich am Markt, wer konstant hohe Qualität bietet. Was ist bei der Herstellung vom Rohstoff über Produktion bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums sicherzustellen? Dr. Klaus Litzenburger kann Erfahrungen aus jahrezehntelanger Praxis schöpfen und legt auf nachdrückliche Weise dar, was Sie in Ihrem Betrieb in der Qualitätssicherung am besten nicht vernachlässigen sollten (ab S. 167).

Bierrezepte – Die Hopfenzüchtung hat mit klimatoleranten Sorten vorgelegt, jetzt ist es an der Brauwirtschaft nachzuziehen. Horst Dornbusch und Walter König stellen im vierten und letzten Teil der Serie zur Markteinführung von Huell Classic, einem Aromahopfen aus dem Hopfenforschungszentrum Hüll, Rezepte und sensorische Verkostungen von Testsuden in vier US-amerikanischen Brauereien vor (ab S. 158).

Pilzmyzel – Über die gewinnbringende Verwertung von Treber wurde schon viel nachgedacht. Im Falle von Eat Beer, einer Ausgründung der Störtebeker Braumanufaktur, ist meiner Meinung nach die Vokabel „innovativ“ angebracht: Auf Grundlage einer Fermentation von Biertreber mit Ständerpilzen aus der Familie der Austernpilze entsteht Pilzmycel … geschmacksneutral, gut weiterverarbeitbar, mit günstiger Nährstoffverfügbarkeit. Jens Reineke-Lautenbacher stellt Ihnen vor, wie die Stralsunder Brauerei mit diesem Projekt echtes Neuland betritt (ab S. 163).

Editorial

In letzter Zeit hört man viel vom sogenannten Zeitgeist. Und der meint es mit seinem Trend zu mehr Gesundheitsbewusstsein und Selbstoptimierung gerade wirklich nicht gut mit der Brauwirtschaft. Die Biersatzzahlen für 2025 weisen ein erschreckendes Minus von sechs Prozent aus (Seite 116) und sogar Bayern, das sich lange dem Abwärtssog widersetzen konnte, verzeichnet ein ordentliches Minus, wie auf der Jahrespressekonferenz des Bayerischen Brauerbundes zu hören war (Seite 114). Aber die Brauwirtschaft wäre nicht die Brauwirtschaft, wenn sie keine Ideen hätte, diesem Zeitgeist zu trotzen.

„Erfolgsfaktoren für Brauer von morgen – Mut zum Morgen“, so hieß das Motto der diesjährigen Doemens Impulse Ende Januar. Zwei Tage lang präsentierte und diskutierte man in Gräfelfing Möglichkeiten, mit Brauerei-Equipment oder durch technologische Maßnahmen alkoholfreie Biere und alternative alkoholfreie Getränke herzustellen. Die Verkostungen zeigten die Vielfalt der vorstellbaren Getränke. Und auch altbekannte Bierstile könnten im neuen Mantel heutzutage wieder gute Erfolgschancen haben (Seite 113). Dabei war es nicht die einzige Veranstaltung, die sich passend zum Dry January dem Zeitgeist und seinen Folgen widmete. Auch bei den Getränke Impuls Tagen nahm das Thema alkoholfreies Bier breiten Raum ein, wie Sie ab Seite 134 sehen werden.

Menschen kaufen Emotionen, keine Dinge – Daher sollten Brauereien, um dem sinkenden Bierabsatz entgegenzuwirken, keine Produkte verkaufen, sondern Erlebnisse, meint der Psychologe Prof. Ulrich Orth, Universität Kiel. Wie entstehen solche Markenerlebnisse und wie können Brauereien sie gestalten? Ab Seite 124 zeigt er anhand konkreter Beispiele, wie Brauereien ihre Marken gezielt mit Erlebnissen verknüpfen können, um erfolgreicher zu sein.

Erfolg trotz Gegenwind – Ein gutes Beispiel ist auch die Störtebeker Braumanufaktur. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass es der Brauerei im äußersten Nordosten Deutschlands mit all den ungünstigen Rahmenbedingungen gelingt, dies in einen strategischen Vorteil umzumünzen? Die Brauerei, in einer als strukturschwach geltenden Region mit begrenzter Kaufkraft und eher traditionellem Konsumverhalten gelegen, hat das Kunststück geschafft, sehr erfolgreich zu sein und Wachstum, Wertschöpfung sowie überregionale Bedeutung zu erlangen (Seite 128).

Lassen Sie sich anstecken von so viel Mut zum Morgen, dann ist der Zeitgeist bald kein Schreckgespenst mehr.

BRAUWELT-Newsletter

Erhalten Sie jede Woche kostenlos die neuesten BRAUWELT-News direkt in Ihr Postfach!
Newsletter-Archiv und Infos
Ihre Daten sind sicher und werden nicht an Dritte weitergegeben. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit durch einen Klick auf den Abmeldelink am Ende des Newsletters widerrufen.

Mit dem Klick auf "Newsletter abonnieren" bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen haben und akzeptieren die dort beschriebene Verarbeitung Ihrer Daten.

BRAUWELT-Newsletter

Erhalten Sie jede Woche kostenlos die neuesten BRAUWELT-News direkt in Ihr Postfach!
Newsletter-Archiv und Infos
Ihre Daten sind sicher und werden nicht an Dritte weitergegeben. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit durch einen Klick auf den Abmeldelink am Ende des Newsletters widerrufen.

Mit dem Klick auf "Newsletter abonnieren" bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen haben und akzeptieren die dort beschriebene Verarbeitung Ihrer Daten.

BRAUWELT unterwegs

EBC Congress
06.09.2026 - 09.09.2026
110. VLB-Oktobertagung
12.10.2026 - 13.10.2026
kalender-icon