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Qualitätssicherung
Die Hände eines Anwenders halten ein Tablett, im Hintergrund die Transportbänder einer Abfülllinie

Datenschätze | In der Getränkeproduktion entscheidet die Abfüllanlage über weit mehr als nur Geschwindigkeit. Hier treffen Hygiene, Produktqualität, Anlagenverfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit unmittelbar aufeinander. Schon kleinste Verunreinigungen oder technische Störungen können Produktionsausfälle, Reklamationen oder im schlimmsten Fall Produktrückrufe verursachen.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachweispflichten, Audits und gesetzeskonforme Dokumentation ständig. Die Branche investiert deshalb seit Jahren massiv in moderne Abfülltechnik. Neue Linien arbeiten hochautomatisiert, erreichen enorme Taktzahlen und ermöglichen schnelle Produktwechsel.

Dennoch zeigt sich in vielen Betrieben eine Herausforderung: Während die Maschinen digital und vernetzt arbeiten, bleibt das Qualitätsmanagement häufig analog. Papierlisten, Excel-Dateien, manuelle Rundgänge und Dokumentationen prägen vielerorts weiterhin den Alltag. Genau hier entsteht ein erhebliches Risiko: organisatorisch, hygienisch und wirtschaftlich.

Gravierende Folgen von Hygienemängeln

Dass Hygieneversäumnisse gravierende Folgen haben können, zeigen immer wieder öffentlich diskutierte Fälle aus der Getränkebranche. Verschmutzungen, Schädlingsbefall oder mangelhafte Reinigungsabläufe führen zu Produktionsunterbrechungen, behördlichen Maßnahmen und schlimmstenfalls einem erheblichen Imageschaden. Gleichzeitig steigen bei modernen Hochleistungsanlagen die Anforderungen an Wartung und Prozesssicherheit.

Je höher die Linienleistung, desto stärker wirken sich ungeplante Stillstände oder unvollständige Dokumentationen aus. Die eigentliche Herausforderung liegt dabei selten an fehlender Technik, sondern in der Organisation der Prozesse.

Denn Wartung, Reinigung und Hygiene funktionieren nur dann zuverlässig, wenn Informationen dort erfasst werden, wo sie entstehen: direkt an Rinser, Füller, Verschließer, Etikettierer oder Transporteuren.

Genau hier setzen mobile Lösungen an. Smartphones und Tablets verwandeln klassische Papierprozesse in digitale, nachvollziehbare Abläufe. Mitarbeitende werden über mobile Checklisten Schritt für Schritt durch Prüfungen, Reinigungs- oder Wartungsroutinen geführt. Anlagen und Komponenten lassen sich eindeutig per QR-Code oder NFC-Tag identifizieren. Ein kurzer Scan genügt, um die richtige Maschine aufzurufen und die passende Prüfroutine zu starten. Das reduziert Fehlerquellen erheblich.

Statt handschriftlicher Notizen und fehleranfälliger späterer Übertragungen werden Informationen unmittelbar vor Ort erfasst – inklusive Zeitstempel, Standort und Nutzerkennung. Jede Eingabe ist damit nachvollziehbar, manipulationssicher und revisionsfähig dokumentiert.

Hygienestandards konsequent absichern

Gerade an der Abfülllinie ist Hygiene kein Einzelereignis, sondern ein dauerhaft kontrollierter Prozess. Hersteller geben hier umfangreiche Wartungs- und Reinigungsintervalle vor: Schmierung beweglicher Teile, Austausch von Dichtungen und O-Ringen, Reinigung von Düsen und Füllventilen, Kontrolle von Führungsschienen oder der Wechsel von Sterilluftfiltern gehören dazu.

Im Alltag kommt es aber oft zum Kampf mit dem Zeitdruck. Besonders bei hoher Linienauslastung oder häufigen Produktwechseln steigt die Gefahr, dass Prüfungen verspätet erfolgen oder Dokumentationen unvollständig bleiben.

Digitale Anwendungen schaffen hier Verbindlichkeit. Wartungsintervalle, Grenzwerte und Prüfschritte werden systemseitig hinterlegt. Mitarbeitende erhalten Erinnerungen, Eskalationen oder Freigabeprozesse direkt auf ihr mobiles Endgerät. Auch komplexe Hygieneprozesse wie die Validierung von CIP-Rezepten lassen sich digital absichern. Temperaturverläufe, Leitfähigkeitswerte oder Reinigungszeiten werden digital dokumentiert und können unmittelbar bewertet werden. Die Folge: Abweichungen werden sofort erkannt und in Auftragstickets oder Maßnahmen überführt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Prüfung, Reaktion und Nachverfolgung.

Die Anforderungen an Hygiene und Betriebssicherheit gehen heute weit über die reine Maschinenpflege hinaus.

HACCP-Konzepte, Trinkwasserhygiene, Fremdkörpermanagement oder DGUV-V3-Prüfungen müssen lückenlos dokumentiert werden. Gleichzeitig verlangen Auditoren nachvollziehbare Nachweise über durchgeführte Maßnahmen und Reaktionszeiten.

Digitale Systeme ermöglichen hier eine vollständig auditfähige Dokumentation. Auch hier hilft die IT: Sämtliche Schritte – von der Reinigung bis zur technischen Prüfung – werden zentral gespeichert und sind jederzeit abrufbar. Das erleichtert nicht nur Audits, sondern beschleunigt auch interne Analysen und Korrekturmaßnahmen.

Besonders wertvoll wird dies, wenn Brauerei, interne Technikteams und externe Dienstleister auf derselben Datenbasis arbeiten. Statt E-Mail-Ketten, Telefonabsprachen oder mehrfach gepflegter Excel-Dateien entsteht ein gemeinsamer Informationsstand in Echtzeit. Offene Tickets, fällige Prüfungen oder abgeschlossene Maßnahmen sind für alle Beteiligten sichtbar. Medienbrüche entfallen, Abstimmungen erfolgen schneller und Missverständnisse werden reduziert. Lösungen wie das in der Branche häufig eingesetzte e-QSS zeigen, wie sich ganz unterschiedliche Prozesse in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung zusammenführen lassen.

Die App bündelt wichtige Features für das Qualitätsmanagement: Intuitive Qualitätsprüfungen – ideal für Audits, Hygienechecks, Inspektionen und Dokumentationen – können über ein Checkmodul durchgeführt werden. Das Ticketmodul wiederum dient zur effizienten Bearbeitung von Meldungen und Aufträgen.

Eva und Oswald Neumann entwickeln eine Software für Qualitätsmanagement (Foto: Neumann & Neumann)
Eva und Oswald Neumann entwickeln eine Software für Qualitätsmanagement (Foto: Neumann & Neumann)

Datenqualität wird zum Wettbewerbsfaktor

Der größte Hebel liegt dabei häufig nicht in der Technik selbst, sondern in der Qualität der verfügbaren Daten. Werden Prüfungen direkt am Ort des Geschehens dokumentiert, steigt die Genauigkeit der Informationen erheblich. Gleichzeitig sinkt die Fehlerquote, weil Medienbrüche vermieden werden.

Die gewonnenen Daten ermöglichen eine deutlich präzisere Steuerung der Instandhaltung. Wiederkehrende Störungen werden sichtbar, Wartungsintervalle lassen sich optimieren und Ressourcen gezielter einsetzen. Statt rein reaktiv auf Ausfälle zu reagieren, entsteht schrittweise eine vorausschauende Wartungsstrategie.

Auch organisatorisch entstehen Vorteile. Teams erhalten schneller Feedback über Fehlerbilder oder wiederkehrende Abweichungen. Schulungsbedarfe lassen sich datenbasiert erkennen. Gleichzeitig fördern transparente Prozesse die Verantwortlichkeit innerhalb der Teams, weil Aufgaben und Bearbeitungsstände jederzeit nachvollziehbar bleiben.

Weniger Stillstand, mehr Verfügbarkeit

Der wirtschaftliche Nutzen digitalisierter Hygiene- und Wartungsprozesse zeigt sich oft schneller als erwartet. Automatisierte Workflows reduzieren Verwaltungsaufwand und Papierverbrauch. Klare Zuständigkeiten beschleunigen die Bearbeitung von Mängeln. Ersatzteile können frühzeitig disponiert und Wartungsfenster gezielt geplant werden.

Vor allem ungeplante Stillstände lassen sich deutlich reduzieren. Gerade in Brauereien mit hoher Taktzahl und häufigen Produktwechseln ist dies ein entscheidender Faktor. Jede vermiedene Unterbrechung spart Energie, Personalaufwand und Produktionsverluste.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Digitalisierung schafft die Grundlage für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Kennzahlen werden vergleichbar, typische Schwachstellen treten schneller zutage und technische Entwicklungen lassen sich fundierter bewerten. Dadurch steigen nicht nur Hygiene und Sicherheit, sondern auch die langfristige Anlagenverfügbarkeit.

Damit die Digitalisierung gelingt, empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Am Anfang steht meist ein klares Pflichtenheft für Rundgänge, Prüfpläne und Dokumentationsstandards. Ebenso wichtig ist die frühzeitige Definition von Prozessen, damit Workflows stimmig sind. Moderne Anwendungen berücksichtigen dabei alle notwendigen Sicherheitsstandards: Sie bieten rollenbasierte Zugriffe, Datenschutz nach aktuellem Stand der Technik sowie sichere Cloud- oder Serverstrukturen. Dadurch lassen sich selbst sensible Produktions- und Qualitätsdaten zuverlässig absichern.

Die Zukunft hygienischer und effizienter Abfüllanlagen liegt in durchgängig digitalen Prozessen. Wer Wartung, Reinigung und Dokumentation intelligent vernetzt, gewinnt nicht nur an Transparenz und Sicherheit, sondern steigert gleichzeitig Produktivität und Anlagenverfügbarkeit. Gerade in einer Branche mit hohem Qualitätsanspruch und wachsendem Kostendruck wird die digitale Hygieneorganisation damit zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Management
Hacker mit Kapuze, Projektion System Failure (Foto: Joshua Koblin auf Unsplash)

Abwehrschild | Brauereien setzen zunehmend auf Digitalisierung, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Ein konsequenter Schutz vor Bedrohungen aus dem Cyberraum sollte von Anfang an mit eingeplant werden.

Rohstoffe
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Flächenverlust | Mehr als ein Drittel der globalen Hopfenproduktion findet in Deutschland statt, gefolgt von den USA mit leicht geringerer Fläche und der Tschechischen Republik mit knapp zehn Prozent der weltweiten Anbaufläche.

Rohstoffe
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Verarbeitungseignung | Die Braugersten-Gemeinschaft e.V. hat die Verarbeitungsqualität neuer Winterbraugerstensorten nach einer an das Berliner Programm für Sommerbraugerste angelehnten Systematik untersucht. Ziel des außerordentlichen Programms ist es, Mälzereien und Brauereien fundierte Informationen zur Verarbeitungseignung neuer Winterbraugersten zur Verfügung zu stellen.

Markt

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum steuerpflichtigen Absatz von Biermischgetränken nach Bundesländern.

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Qualitätssicherung
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Überblick | Die hier vorgestellte Auswertung von mikrobiologischen Befunden zeigt die Verteilung an bierschädlichen Mikroorganismen in Proben, die dem Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität der Technischen Universität München (TUM FZW BLQ) im vergangenen Jahr 2025 zugesandt wurden.

Sudhaus
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Forschung | Die Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie (BGT) der Technischen Universität München (TUM) Weihenstephan und Siemens zeigt einen Fortschritt bei der Integration moderner Technologien in die Brauwirtschaft. Die Siemens Anomaly Detection, ein KI-basiertes Tool zur Erkennung von abnormalem Verhalten in Produktionslinien, wurde in der Forschungsbrauerei des Lehrstuhls eingesetzt. Das Tool sollte bezüglich seiner Wirksamkeit für die Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle im Sudhaus bewertet werden. Dieser Artikel beschreibt die Implementierung, Funktionsweise und Vorteile der Anomalieerkennung in Brauprozessen sowie spezifische Probleme, die damit identifiziert und behoben wurden.

Wasser
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Reinigungsmedium | Natronlauge wird in Brauereien für die alkalische Reinigung nahezu aller Betriebsbereiche vom Sudhaus bis zur Abfüllung verwendet. Eine zuverlässige Bereitstellung dieser Reinigungschemikalie ist daher für die Prozesssicherheit essenziell. Die Kulmbacher Brauerei AG hat sich im Jahr 2025 für eine vollständige Erneuerung der zentralen Natronlaugeversorgung am Standort Kulmbach durch die sera Aqua GmbH entschieden.

Recht
Ein Geschäftsmann unterschreibt einen Vertrag auf Papier mit einem Stift (Foto: Scott Graham auf Unsplash)

Vorsorgevollmacht | Der plötzliche Ausfall der Geschäftsführung kann die Handlungsfähigkeit einer Firma gefährden. Damit ein privater Schicksalsschlag nicht auch das Familienunternehmen in die Insolvenz führt, ist eine professionell gestaltete Unternehmensvollmacht wichtig. Hierbei können Anwälte und Notare, aber auch spezialisierte Dienstleister behilflich sein.

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