Saisonauftakt
Wenn Sie diese Ausgabe der BRAUWELT in den HĂ€nden halten, konnten Sie hoffentlich ein paar schöne und erholsame Ostertage verbringen und bei frĂŒhlingshaftem Wetter ein schönes Bierchen auf Balkon oder Terrasse genieĂen. Auch wenn in diesem Jahr das Osterfest wieder einmal mehr oder weniger der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Immerhin gibt es aber fĂŒr Jahreszeiten keinen Lockdown, und inzwischen dĂŒrften die Landwirte schon fleiĂig dabei sein, die neue Braugerste auf den Feldern auszusĂ€en. Auch die Mitglieder der Gesellschaft fĂŒr Hopfenforschung trafen sich zum traditionellen Saisonauftakt ins neue Hopfenjahr. Auf dem Gebiet des nachhaltigen Hopfenanbaus und der Hopfenzucht sind einige Fortschritte und positive Nachrichten zu vermelden (ab S. 329). AuĂerdem haben wir unter anderem die folgenden Themen fĂŒr Sie vorbereitet:
Starkes Edelstahlfass â Die besondere StĂ€rke des Worldkeg ist seine geringe WandstĂ€rke. Durch ein neues Fertigungsverfahren konnte damit das Gewicht auf ein Viertel eines tiefgezogenen Edelstahlfasses reduziert werden, was den Einsatz als Einweg-Edelstahl-Keg attraktiv machte. In etwas dickerer WandstĂ€rke ist das Worldkeg seit kurzem auch als Mehrweg-Keg erhĂ€ltlich. Nun schickt es sich an, bei Hobbybrauern als bezahlbarer GĂ€r- und Drucktank zu reĂŒssieren (ab S. 344).
Angespannte Lage â Die Stimmung ist beim Verband der Brauereien Ăsterreichs ebenso angespannt wie hierzulande. Obmann Sigi Menz trat mit zwei Forderungen an die Politik vor die Kamera der virtuellen Jahrespressekonferenz: Zum einen forderte er eine Halbierung der im Vergleich zu Deutschland mit 24 EUR pro hl mehr als doppelt so hohen Biersteuer und zum anderen eine unkomplizierte Ausweitung der Biersteuermengenstaffel von derzeit 50â000 hl auf 200â000 hl. âWenn wir jetzt nicht fĂŒr Entlastung sorgen, wann dann?â, fragt Sigi Menz ab Seite 330. Und wĂ€hrend bei den groĂen deutschen Brauereien noch Hoffnung auf Besserung ab dem zweiten Quartal 2021 besteht (ab S. 334), fĂŒhren die Brauereigasthöfe trotz der mittlerweile rĂŒckwirkend geltenden ĂberbrĂŒckungshilfen einen Ăberlebenskampf. Die Aussichten von Christof Pilarzyk, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Werbegemeinschaft âPrivate Braugasthöfeâ, sind dĂŒster (ab S. 347).
Nobelpreis-Brauer â Zu Unrecht ist Eduard Buchner (1860â1917) mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Dabei bekam er 1907 fĂŒr seinen bahnbrechenden Nachweis der alkoholischen GĂ€rung mittels zellfreiem âHefepreĂsaftâ den Nobelpreis verliehen. GĂŒnther Thömmes zeichnet in unserem zweiten Teil der Reihe âGiganten der Biergeschichteâ den abenteuerlichen Lebensweg Buchners nach (ab S. 352).
Editorial
Lange mussten die vielen Brauereigasthöfe, die als Mischbetriebe bislang von den auĂerordentlichen Wirtschaftshilfen fĂŒr die Monate November und Dezember 2020 ausgeschlossen waren, um ihre wirtschaftliche Existenz bangen. Die Bundesregierung hat den Zugang zu diesen Hilfen jetzt deutlich vereinfacht â BrauereigaststĂ€tten, StrauĂenwirtschaften und Vinotheken sind nunmehr unabhĂ€ngig von den UmsĂ€tzen des restlichen Unternehmens antragsberechtigt. Eine Entscheidung, die an vielen Stellen fĂŒr ein wenig Perspektive sorgen wird und in die richtige Richtung weist (S. 289).
Ab in die Zukunft â Brauer stellen hierzulande zwar meistens Bier her, sind aber eigentlich, zumindest wenn es um die Herstellung (fermentierter) GetrĂ€nke geht, Universalgenies. Hard Seltzer, Kombucha und Co.? Aus technologischer Sicht kein Problem, meint Dr. Gerrit BlĂŒmelhuber ab Seite 298. Die Herausforderungen liegen an anderer Stelle: Oft sind Investitionen nötig, auch, um sich an neuen Mikroorganismen nicht durch Querkontaminationen die Finger zu verbrennen. Gegebenenfalls sind neue VertriebskanĂ€le aufzubauen. Vor allem aber: Jedes Produkt braucht seine Story!
Ins Blaue geschossen â Konstante ProduktqualitĂ€t ist der SchlĂŒsselfaktor fĂŒr die langfristige WettbewerbsfĂ€higkeit von Brauereien. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach leistungsfĂ€higer Analytik fĂŒr die QualitĂ€tssicherung. Eine Schwachstelle der klassischen zielgerichteten Aroma-Analytik sind die vielen Matrixeffekte, die in der Sensorik auftreten. Laura Knoke von der VLB Berlin gibt ab Seite 304 ĂŒberraschende Einblicke in eine neue Form der Analytik: die hochauflösende Massenspektrometrie fĂŒr non-target Analytik. Hierbei sind die zu untersuchenden Aromastoffe nicht bereits vor der Analyse definiert.
Ab aufs Land â Regionale Agrikultur, regionale Braukultur und Genusskultur vereinen, das ist das Ziel, welches Jan Kemker und Nicole Marzec von der Brauerei Kemker Kuultur verfolgen. Sie brauen langgereifte Sauerbiere und reihen sich mit ihrer Philosophie in das internationale PhĂ€nomen der Farmhouse-Brauer ein. Sylvia Kopp besuchte die BraukĂŒnstler (ab S. 313).
Serienstart â Pumpen sind die Arbeitstiere, die, meist unbeachtet, die Prozesse in der Brauerei im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen halten. Ein guter Grund, sich einmal ausgiebig ihrer Funktion und den verschiedenen Bauformen zu widmen. Mit Teil 1, EinfĂŒhrung und Bauformen von Pumpen, startet in dieser Ausgabe ab Seite 299 die groĂe achtteilige Pumpenserie von Dr. Hans-J. Manger.
Editorial
Am 1. Januar 2021 ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz in Kraft getreten. Das hat Folgen fĂŒr die gesamte deutsche Malzbranche, wie der Deutsche MĂ€lzerbund in einer Mitteilung betont. Das Ziel, durch Bepreisung von fossilen Brennstoffen nach ihren CO2-Emissionen zu einer CO2-Reduktion zu kommen, wird bei den MĂ€lzereien nicht oder nur marginal erfolgreich sein, aber die Kosten erhöhen, befĂŒrchtet der Verband (S. 253).
Mehrwert â Apropos Kosten: Wann besteht bei Flascheninspektoren Investitionsbedarf? Aufgrund einer solchen Anfrage hatte die VLB Berlin vor rund zehn Jahren ihren VLB-Leistungsnachweis fĂŒr LeerÂflascheninspektionsmaschinen entwickelt. Ziel war es, eine Kennzahl zu entwickeln, die die Erkennungsperformance von InspektionsÂmaschinen mit den jeweils darauf verarbeiteten Flaschensorten und unabhĂ€ngig von Standort, Hersteller oder Baujahr vergleichbar macht. Dr. Georg Wenk, VLB Berlin, beschreibt ab Seite 264, wie es funktioniert und wo nach einem Generationswechsel bei den Inspektoren âmehr drin istâ.
Wissensspeicher â Hier ist wahrlich viel drin: zwei Bibliotheken, 10â000 BĂŒcher hier, 7500 dort, dazu mehr als 13â000 ZeitschriftenbĂ€nde. WĂ€hrend die Axel-Simon-Bibliothek eine der weltweit umfangreichsten Spezialbibliotheken zu brauwissenschaftlicher und gĂ€rungstechnologischer Literatur ist (inklusive nahezu sĂ€mtlicher Ausgaben der Allgemeinen Brauer- und Hopfenzeitung bzw. deren Nachfolgerin BRAUWELT), liegt der Schwerpunkt der Schultze-Berndt-Bibliothek auf der Geschichte des Brauwesens. Michaela Knör ist die Leiterin dieser auĂerÂgewöhnlichen Bibliotheken an der VLB Berlin und stellt uns ab Seite 276 diese beiden SchĂ€tze der Brauliteratur vor.
Was ist noch drin? Das fragen sich auch AktionĂ€re und Analysten mit Blick auf AB-InBev. Kann man mit weiteren âDealsâ rechnen, und wenn ja, mit welchen, oder liegt der Fokus von âMegabrewâ auf der Tilgung des kolossalen Schuldenbergs? âDie Lage von AB-InBev ist nicht eben beneidenswertâ, sagt Dr. Ina Verstl, MĂŒnchen, und wirft in âAB-InBev in schwerer Seeâ ab Seite 259 einen genauen Blick auf den WeltmarktfĂŒhrer.
Mehr Inhalt â Und zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Kennen Sie schon unseren englischen Podcast mit Dr. Ina Verstl und Ernst Faltermeier? In bisher sechs Folgen sprechen die beiden ĂŒber verschiedene Aspekte des weltweiten Beer Monopoly, zu hören bei uns unter www.brauwelt.com/en/media-ressources/podcasts. Weitere Folgen sind in Planung âŠ
Editorial
Die Lage spitzt sich zu. WĂ€hrend fĂŒr die Gastronomie HilfsmaĂnahmen entwickelt wurden, die zugegebenermaĂen auch noch nicht ĂŒberall angekommen sind, gehen die Brauereien bis auf wenige Ausnahmen komplett leer aus. Jetzt wendet sich die Brauwirtschaft in einem offenen Brief, den 300 Brauereien unterzeichnet haben, an Bund und LĂ€nder. Darin appelliert die Branche an die Politik, mit MaĂnahmen zur finanziellen UnterstĂŒtzung betroffener Betriebe âgezielt, entschieden und schnellâ dem drohenden âAusâ vieler entgegenzusteuern (S. 217). Den offenen Brief finden Sie auf www.brauwelt.com/de.
Not-Aus â Reichlich Bewegung gibtâs aktuell im Messeplan: Die Messe MĂŒnchen hat Ende Februar die Entscheidung getroffen, die fĂŒr Oktober 2021 geplante drinktec in den September 2022 zu verschieben. Der Schritt sei angesichts der hohen InternationalitĂ€t der Messe wie auch der ungewissen Prognosen fĂŒr den Interkontinentalverkehr zwingend notwendig und nicht weiter aufzuschieben gewesen, sagen die Verantwortlichen (S. 217). Welche Auswirkungen das auf die BrauBeviale 2022 hat, lĂ€sst sich aktuell noch nicht sagen (S. 218).
Nicht zwingend notwendig â Die QualitĂ€t der heutigen Malze ist so gut, dass viele Brauereien auf die EiweiĂrast verzichten und höher einmaischen. Dass aber isotherme Maischversuche bei 72â°C, also unter Umgehung der Optimaltemperaturen fĂŒr die Beta-Amylase, so gut funktionieren wie in BRAUWELT-Ausgabe Nr. 42, 2020, berichtet, hat Prof. Frank Endres, UniversitĂ€t Clausthal, und seine Co-Autoren selber ĂŒberrascht. Daher folgen nun vergleichende Versuche von isothermem und Infusionsmaischverfahren an verschiedenen Malztypen, deren Ergebnisse Sie ab Seite 223 nachlesen können. Sie zeigen, dass Pilsner-, Pale Ale-, Wiener-, MĂŒnchner- und Weizenmalz problemlos diesem isothermen Maischverfahren unterzogen werden können.
Nicht zwingend, aber sinnvoll â Familienbetriebe kennen das nur zu gut: Selten gelingt die strikte Trennung zwischen Familie und Betrieb, und es gibt viele âSprengstoff-Themenâ, die den innerfamiliĂ€ren Frieden gefĂ€hrden. Familienverfassungen können helfen, solch schwierige Situationen zu lösen oder zumindest zu entschĂ€rfen. Wer eine Familienverfassung braucht (und wer nicht), wie sie entsteht und was sie fĂŒr alle Familienmitglieder bedeutet, klĂ€rt Dr. Moritz Fehrer, NĂŒrnberg, ab Seite 233.
Editorial
Ausgerechnet einer der jĂŒngsten Brauer Deutschlands, Niklas Schramm, der 2020 seine Ausbildung zum MĂ€lzer und Brauer als Landesbester in Baden-WĂŒrttemberg abschloss, strahlt Zuversicht aus. Im Interview ab Seite 197 schildert er, wie er zum Bier kam, wie er die duale Ausbildung erlebte und was fĂŒr ihn die Faszination am Bier(brauen) ausmacht. Mit seinem gewĂ€hlten Beruf als Brauer sieht sich Niklas Schramm fĂŒr die Zukunft hervorragend aufgestellt. Ermutigende Worte von einem jungen Kollegen: âDie Corona-Krise hat gerade erst wieder gezeigt, dass Bier immer getrunken wird. [âŠ] Die Leidenschaft fĂŒrs Bier ist also die beste Voraussetzung.â
Nachbesserung nötig â Dass Schramms Brauerei, die Ulmer Gold Ochsen, einen Löwenanteil in Flaschen abfĂŒllt und damit bisher vergleichsweise gut durch die Krise navigieren konnte, soll aber nicht verschwiegen werden. Andere Marktteilnehmer trifft es ungleich hĂ€rter. Verzweifelt ist die Lage bei den Brauereigasthöfen, da sie aus dem Raster der November-Hilfen fallen â ein existenzbedrohender Zustand. Mike Schmitt, Inhaber der Gasthausbrauerei Nikl BrĂ€u in Oberfranken, machte sich am zweiten Februar-Wochenende in einem inzwischen viral gegangenen Video auf Facebook Luft. Bis Redaktionsschluss war nicht bekannt, ob eine sehnlichst erwartete Anpassung der November-Hilfen Rettung fĂŒr die bedrĂ€ngten Betriebe bringen kann (S. 181).
Craft Bier online â WĂ€hrend sich fĂŒr Gasthausbrauereien die Corona-bedingte SchlieĂung der Gastronomie existenzbedrohend auswirkt, beflĂŒgelt die Krise andererseits neue VertriebskanĂ€le. Eine Endkundenbefragung (bereits vor der Corona-Krise durchgefĂŒhrt) zeichnet ein Bild, das den Craft Bier-Onlinehandel mit einigem Potenzial sieht. Welche alternativen GeschĂ€ftsmodelle fĂŒr Brauereien denkbar sind, und auf welchem Niveau sich die Preisbereitschaft der Konsumenten ansiedelt, lesen Sie ab Seite 194.
Zwerge auf den Schultern von Riesen â Unsere neue Artikelserie ĂŒber die Giganten der Biergeschichte startet in dieser Ausgabe mit einem PortrĂ€t von Gabriel Sedlmayr II. (der JĂŒngere). Ein Brauer, der es auf geradezu visionĂ€re Weise verstand, die technischen Fortschritte auf den Gebieten der KĂ€lte- und Dampferzeugung zu nutzen und damit âseineâ Spaten Brauerei fĂŒr die Zukunft hervorragend aufzustellen (ab S. 203).
Editorial
Was möchte der Kunde? Was möchte er jetzt, was in der Zukunft? Wie muss das Angebot meines Unternehmens aussehen, um erfolgreich zu sein? Und wie komme ich dahin? Das gilt fĂŒr Brauereien und GetrĂ€nkehersteller oder ihre Zulieferer ebenso wie fĂŒr Forschungseinrichtungen oder auch fĂŒr uns als Verlag. Und ich kann Ihnen versprechen: Es tut sich so einigesâŠ
Forschung entlang der Wertschöpfungskette â Nehmen wir das VLB-Jahresauftaktseminar 2021, ĂŒber das wir ab Seite 145 berichten. Neben dem Braugerstenseminar stand ein ausfĂŒhrlicher Vortragsblock zum Thema Forschung auf dem Programm. Die wird bei der VLB aus internen, aber auch extern eingebrachten Fragestellungen heraus betrieben. Mit Erfolg, der sich in der Praxis sehen lassen kann.
Lichtblick fĂŒr die Brauwirtschaft â Diese Frage hat die Branche seit vielen Monaten umgetrieben: MĂŒssen die RĂŒckstellungen der Brauereien fĂŒr Mehrwegpfandflaschen aufgelöst werden oder nicht? Jetzt ist die Sache klar: Das Bundesfinanzministerium hat Ende 2020 einen Weg aufgezeigt, mit dem eine bilanzsteuerliche Diskriminierung von Einheitsleergut verhindert wurde. Holger Eichele und Matthias Nadolski vom Deutschen Brauer-Bund erklĂ€ren ab Seite 160 die Einzelheiten.
Der fĂŒnfte Rohstoff: Prozessdaten â âBrauereien stehen vor der Herausforderung einer sich wandelnden Konsumentenstruktur.â Dies fĂŒhrt zu wachsendem Preis- und Wettbewerbsdruck. Moderne Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen helfen bei der dafĂŒr nötigen Effizienzsteigerung im Betrieb. Aber jetzt investieren? Ja, sagen unsere Autoren in âLiquiditĂ€t fĂŒr Brauereien optimierenâ ab Seite 151.
Die neue BRAUWELT-Mediathek â Auch das Team der BRAUWELT arbeitet kontinuierlich an der Optimierung unseres Angebots fĂŒr Sie. Seit neuestem finden Sie unter www.brauwelt.com in unserer Mediathek nicht nur die beliebten Bildergalerien, sondern nun auch Videos, Podcasts und Whitepaper, beispielsweise zum gerade erwĂ€hnten Finanzierungsthema. Schauen Sie doch mal rein! Wir freuen uns ĂŒber Kommentare und Anregungen, die uns helfen, Ihre WĂŒnsche an Information rund um die gesamte Branche zu erfĂŒllen.
Editorial
In den ersten Wochen des Jahres erreichen die BRAUWELT-Redaktion viele Unternehmensmeldungen, die eine Bilanz des Vorjahres ziehen. Wie zu erwarten, sind die Zahlen miserabel, da gibt es gar nichts zu diskutieren. Und dennoch: Bei ĂŒberraschend vielen BeitrĂ€gen klingen Zuversicht, Durchhaltewillen und Ideenreichtum durch. Das tut gut!
Zeit bestmöglich nutzen â Sowohl die Radeberger Gruppe (S. 112) als auch die Brauerei Veltins (S. 113) blicken auf historische RĂŒckgĂ€nge im FassbiergeschĂ€ft zurĂŒck. Der Zuwachs beim Flaschenbier und ein breit aufgestelltes Sortiment mit alkoholfreien Bieren, BiermischgetrĂ€nken und neuen Produkten konnten das zwar abfedern, aber nicht ausgleichen. Die Betriebe erwarten jedoch eine deutliche Erholung im Sommer, wenn sich die Menschen im Biergarten ein StĂŒck NormalitĂ€t zurĂŒckholen. Und bis dahin ist ein langer Atem und viel Kondition, aber auch unternehmerischer Mut statt Schwarzmalerei vonnöten, sagen die Verantwortlichen.
Schneller lĂ€utern â Wie lĂ€sst sich beim LĂ€utern die Bildung einer Sperrschicht durch sedimentierte Feinpartikel verhindern? Denn sie verursacht ĂŒber den Stempeleffekt lĂ€ngere Prozesszeiten, hĂ€ufigeren Hackwerkeinsatz, schlechtere WĂŒrzequalitĂ€t und so einiges mehr. Martin Hennemann, Lehrstuhl fĂŒr Brau- und GetrĂ€nketechnologie in Weihenstephan, hat in einem Forschungsprojekt die Absaugung der Feinpartikel mit einem Saugkorb untersucht und kommt zu Ergebnissen, die so einige Vorteile fĂŒr die Praxis in Aussicht stellen (S. 115).
Niete oder Volltreffer â In den USA war es ein Volltreffer, aber bei uns? Zugegeben, 2020 war kein optimales Jahr fĂŒr die EinfĂŒhrung von Hard Seltzer im Gastronomiebereich. Falls aber auch Sie sich fragen, ob Hard Seltzer zukĂŒnftig etwas fĂŒr Ihr Unternehmen und Ihr Produktportfolio ist, dann kann der Beitrag von GĂŒnther Thömmes ĂŒber Herstellungsmöglichkeiten und Besonderheiten von Hard Seltzer sicher einige Fragen klĂ€ren (ab S. 119).
Neuanfang â Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt ist er da, der neue Mann an der TU Berlin. Der Nachfolger von Prof. Frank-JĂŒrgen Methner im Fachgebiet Brau- und GetrĂ€nketechnologie heiĂt Prof. Brian Gibson, ein Experte fĂŒr Brauereihefen und zuvor am VTT, Finnland, tĂ€tig. Wir sprachen mit ihm ĂŒber seine neue Aufgabe in Berlin und die Entwicklungen im Bereich der Hefeforschung, denn da erwartet der Fachmann in den nĂ€chsten Jahren noch einige spannende Entdeckungen (S. 130).
Editorial
Leider gestaltet sich dieser Tage die Suche nach guten Nachrichten als schwierig. Eine solche gute Nachricht mag sein, dass wir mit einem neuen Mann im WeiĂen Haus auf einen freundlicheren Tonfall, mehr Respekt und VerlĂ€sslichkeit in den internationalen Beziehungen hoffen dĂŒrfen. Ob sich damit auch die Hoffnungen der deutschen Wirtschaft auf bessere Bedingungen fĂŒr den Export verwirklichen werden? Warten wirâs ab.
FĂŒr die Brauwirtschaft stellt dies leider keinen Trost dar, denn von dort kommen alarmierende Signale. Immer mehr mittelstĂ€ndische und handwerkliche Brauereien melden in einer aktuellen Umfrage des Deutschen Brauer-Bundes drastische bis existenzgefĂ€hrdende UmsatzeinbrĂŒche. Dabei sind die Verluste umso verheerender, je enger die Brauerei mit dem Gastronomie- und VeranstaltungsgeschĂ€ft verflochten ist â ein groĂer Teil der Befragten befĂŒrchtet eine deutliche Zahl an Betriebsaufgaben und Insolvenzen (Seite 77).
Hefemanagement â Dass man auch die Hefe mit gebĂŒhrendem Respekt â oder sagen wir eher mit Achtsamkeit â behandeln sollte, stellt Andreas Schabert in seinem Beitrag zum modernen Hefemanagement dar. Denn nur eine vitale Hefe in der bestmöglichen physiologischen Verfassung sorgt zuverlĂ€ssig fĂŒr erstklassige BierqualitĂ€t (ab Seite 84).
Analysenkommission â Die AnalysenbĂ€nde der MEBAK sind die verlĂ€ssliche Grundlage fĂŒr die Laboruntersuchungen in der Brauerei. Die MEBAK befindet sich aktuell in einem Umbruch, die gedruckten BĂ€nde sollen kĂŒnftig auch online verfĂŒgbar sein. DafĂŒr ist aus Layout-GrĂŒnden eine komplette Ăberarbeitung der Analysenvorschriften notwendig â eine Mammutaufgabe. Die BRAUWELT sprach ĂŒber die VerĂ€nderungen mit dem neuen Vorsitzenden Dr. Martin Zarnkow (ab Seite 91).
Um Vertrauen werben â FĂŒr einen geregelten Mehrweg-Flaschenpool, der allen offensteht und der umso gĂŒnstiger fĂŒr die Teilnehmer wird, je mehr sich daran beteiligen. Die BRAUWELT sprach mit Hans Baxmeier, dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der GeMeMa, die den neuen geregelten 0,33-l-Flaschenpool verwaltet, darĂŒber, warum Brauereien, AfG-Hersteller und Mineralbrunnen mitmachen sollten (ab Seite 96).
Editorial
Werden wir die nĂ€chsten zwei Monate im âMega-Lockdownâ verbringen mĂŒssen, wie eine bekannte deutsche Boulevardzeitung am 15. Januar 2021 titelte? Hoffnung liegt weiterhin in den Corona-Impfstoffen und -Impfungen, die hoffentlich bald ordentlich in Fahrt kommen. Jetzt aber von einem Endspurt hin zum Ende des Corona-Marathons zu sprechen, kĂ€me mir zynisch vor. Gerade angesichts dessen, dass viele Betriebe weiterhin vor ungeheuren Herausforderungen stehen. Da erscheint mir der Begriff Wartestellung passender. Nichts lieber als wieder voll durchstarten wĂŒrde nĂ€mlich die Gastronomie, die seit November (erneut) zur UntĂ€tigkeit verdammt ist. Mit der Gastronomie muss auch die Schankanlagenbranche leiden, deren Mitglieder sich am 11. Januar 2021 zum traditionellen Expertentreffen Schankanlagen trafen, in diesem Jahr virtuell. Zentrale Themen des diesjĂ€hrigen Treffens, wenig verwunderlich: Hygiene, fachgerechte Reinigung und Methoden zur schnellen Beurteilung des hygienischen Zustands einer GetrĂ€nkeschankanlage (Seite 41).
Digitalisierung auf Ăberholspur â Dass es nicht immer auf ein Zehntelprozent genau sein muss, legt Stefan Huber in seinem Beitrag zur Automatisierung der Rohstoff-Lieferkette dar. Mittels eines am SilofuĂ montierten Dehnungsstreifens lĂ€sst sich die BefĂŒllung auf etwa zehn Prozent Genauigkeit messen, und damit hinreichend genau, um die Lieferkette zu optimieren und Einkaufsprozesse zu verschlanken (ab Seite 58).
Kein Stillstand â Vielleicht war das Jahr 2020 fĂŒr eines gut: Man konnte sich in staatlich verordneter Wartestellung Gedanken ĂŒber neue Investitionsprojekte machen oder diese wenigstens einmal andenken. Ein solches erfolgreiches Projekt stellt Bert Brosch ab Seite 50 vor: Die Ulmer Gold Ochsen Brauerei erneuerte ihre bestehende FĂŒllstandskontrolle auf Röntgentechnologie und investierte in einen Inspektor auf Hochfrequenz-Basis.
Startschuss fĂŒr dualen Studiengang â Der alte duale Studiengang, also die Kombination von Brauer- und MĂ€lzerlehre mit dem Bachelorstudium Brau- und GetrĂ€nketechnologie, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) wurde Anfang 2019 nicht nur in Wartestellung gebracht, sondern gleich vollkommen eingestellt. Die Mindestanzahl von 16 âSchĂŒlernâ pro Jahrgang konnte nicht erreicht werden. Nun ist ein neues Programm aufgelegt, die organisatorischen HĂŒrden sind beseitigt. Im BRAUWELT-Interview (Seite 62) erlĂ€utern die Professoren Matthias Kunert, Volker MĂŒller-Schollenberger und Winfried RuĂ die neuen Möglichkeiten fĂŒr Studenten an der HSWT.
Editorial
Wohl wir alle setzen groĂe Hoffnungen in das Jahr 2021. Es hat gute Chancen, besser zu werden als das vergangene, so wir denn Corona in den Griff kriegen. Vorerst geht es aber mal so weiter. HeiĂt leider auch: weiterhin kein persönliches Treffen, sondern Online-Konferenzen. Die können mittÂlerweile jedoch erstaunlich nah (vom gemeinsamen Bier mal abgesehen) an ein wirkliches Treffen heranreichen, wie die 1. International Brewing Web Conference der VLB im Dezember 2020 zeigte. Das setzt neue MaĂstĂ€be fĂŒr die Zukunft (S. 5).
StĂ€rke ist nicht gleich StĂ€rke â sagt Stefan Hör, TU MĂŒnchen in Weihenstephan, und blickt in seinem Beitrag ab Seite 8 ins Innere eines Gerstenkorns. In seinen Untersuchungen konnte er die Wetterextreme Hitze und Trockenheit als gravierende Einflussfaktoren auf die StĂ€rkesynthese ermitteln. Die Folge ist eine schwankende Zuckerzusammensetzung der BierwĂŒrze. Eine vor dem Hintergrund des Klimawandels wichtige Erkenntnis â und Herausforderung fĂŒr ZĂŒchter und Brauer.
Zukunftsmusik â Wir schauen in unserem heutigen Themen-Schwerpunkt Energie und Wasser auch auf Entwicklungen, die in Zukunft relevant werden können. Da wĂ€re z.âB. die Pulsed Electric Field-Technologie. Ab Seite 11 stellen wir mögliche Einsatzgebiete dieser in anderen Branchen schon bekannteren Technologie in der Brauerei vor. Mit ihrer Hilfe lĂ€sst sich schonender und energiesparender trocknen, entkeimen und vieles mehr, versprechen die Autoren. Oder auch die Frage, inwieweit man mit Hilfe der Sonnenenergie Malzdarren betreiben kann (S. 14). Dr. Manfred Hauner hat dies in Vietnam mit zugegeben anderen Klimabedingungen getestet. Aber es ist ein interessanter Anfang, und die technische Entwicklung geht ja weiter.
Neue MaĂstĂ€be auch beim Wasser â âBis 2030 erreichen wir ein Wasser-zu-Bier-VerhĂ€ltnis von 2 zu 1â, sagt Michael Eumann, Euwa Wasseraufbereitung. Gemeinsam mit seinem Technischen GeschĂ€ftsfĂŒhrer Wolfgang Winkler stand er uns Rede und Antwort in puncto jĂŒngste und zukĂŒnftige Entwicklungen auf dem Gebiet der Wasseraufbereitung (S. 26). Ein konkretes Beispiel fĂŒr moderne Wasseraufbereitungstechnik lesen Sie ab Seite 29: Die österreichische Brauerei Frastanz hat ihre alte Wasseraufbereitungsanlage durch eine neue Anlage mit Umkehrosmose ersetzt. Die hat nicht nur technische VorzĂŒge, sondern macht sich auch bei der jĂŒngsten Erweiterung des Produktportfolios der Brauerei positiv bemerkbar.
Editorial
Und zum Schluss kommt es nochmal ganz dick: Der leichte Lockdown greift nicht wirklich, schĂ€rfere MaĂnahmen sind beschlossen, und noch bevor diese wirken, ziehen die VerbĂ€nde der Brauwirtschaft eine katastrophale Bilanz fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr.
Existenznot â Die PrĂ€sidenten des Deutschen Brauer-Bundes, Dr. Jörg Lehmann, und des Verbandes der Privaten Brauereien Deutschland, Detlef Projahn, wandten sich jetzt mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung an die Presse. Sie appellieren an Bund und LĂ€nder, bei staatlichen Hilfen die Brauereien als engste Partner der Gastronomie angemessen zu berĂŒcksichtigen. Sonst sei der Fortbestand zahlreicher Betriebe akut gefĂ€hrdet. Nicht besser ergeht es den Brauereigasthöfen, die nicht generell als gastronomische Einrichtung angesehen werden, sondern leicht als Mischbetriebe durchs Raster fallen können. Mehr Informationen dazu ab Seite 1377.
Gute Kombination â Angesichts dieser bedrĂŒckenden Nachrichten ist es kaum möglich, eine passende Ăberleitung zu unseren anderen Themen zu finden. Dabei befasst sich Dr. Klaus Kammhuber vom Hopfenforschungszentrum HĂŒll mit einem interessanten Thema: Er kombiniert die klassische Wöllmeranalyse mit der modernen HPLC-Methode, um Hopfensorten, hier am Beispiel neuer HĂŒller Zuchtsorten, differenzierter beschreiben zu können. Hintergrund ist, dass der Bitterwert von Hopfen heute fast ausschlieĂlich ĂŒber den AlphasĂ€uregehalt beschrieben wird. Die QualitĂ€t der Bittere hĂ€ngt aber auch von vielen anderen, zum Teil noch unbekannten unspezifischen Inhaltsstoffen ab, die die Wöllmeranalyse erfasst (S. 1384).
Strategische Konzeption â Die letzten Wochen des Jahres bieten â normalerweise zumindest â eine gute Gelegenheit fĂŒr strategische Planungen. Schon seit Jahrzehnten klafft in puncto Logistikstrategie eine groĂe LĂŒcke, wie John und Marc Albert Eke, Eching, beklagen. Ab Seite 1388 geben sie einen Ăberblick, worauf es bei der Strategieentwicklung fĂŒr die Logistik ankommt. Sie sei ein Muss, betonen die Autoren, um Investitionspotenzial zu ermitteln, einige Dauer-Diskussionen im Betrieb zu beenden und natĂŒrlich auch, um die RentabilitĂ€t zu steigern.
Liebe Freunde der BRAUWELT, nach einem fĂŒr uns alle wirklich herausfordernden Jahr möchte ich Ihnen im Namen des gesamten BRAUWELT-Teams ein schönes, friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wĂŒnschen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass 2021 der gesamten Branche bessere Zeiten bringt.
Editorial
Das Motto des kommenden EBC-Symposiums in Rom, fĂŒr das ab Seite 1341 um Einreichungen geworben wird, könnte nicht besser gewĂ€hlt sein: âAnders brauen â unter schwierigen UmstĂ€ndenâ. Die Pandemie hat gewaltigen Einfluss auf das Konsumverhalten bei Bier gehabt, so dass die Brauereien reagieren mĂŒssen â und natĂŒrlich nicht nur darauf âŠ
Flurfunk in Zeiten von Homeoffice â Ich merke es bei den vielen, bestens organisierten digitalen Kongressen, Seminaren und anderen Treffen. So schön die technischen Möglichkeiten auch sind â es fehlt der persönliche Kontakt. Thema des mittlerweile 12. DBB-Webinars war die Frage, wie man den Flurfunk, oder weitgreifender und sachlicher formuliert, die interne Kommunikation eines Unternehmens ins Digitale retten kann. Denn, so betonten die Gastredner, die informelle Kommunikation ist gerade jetzt wichtiger denn je. Tipps gibt es ab Seite 1341.
Alternatives BetĂ€tigungsfeld â Der klassische Arbeitsplatz fĂŒr Brauer ist die Brauerei respektive MĂ€lzerei, oder die Zulieferindustrie, oder andere der Brauwirtschaft nahe Branchen. Aber die Pharmaindustrie? Dabei liegen die Anforderungen gar nicht so weit auseinander. Das Ansatztechnikum entspricht dem Sudhaus, der Fermenter dem GĂ€rkeller. Die Bierproduktion und die Wirkstoffherstellung in der Pharmaindustrie haben zahlreiche Parallelen, die diese Branche fĂŒr Brauer und MĂ€lzer interessant macht. Auch wenn die regulatorischen Vorgaben fĂŒr Hygiene und Dokumentation von ProzessablĂ€ufen auf einem anderen Niveau liegen, völlig fremd ist das den Brauern schlieĂlich nicht (S. 1363).
ErgĂ€nzender Loop-Test â Seit zehn Jahren werden an der VLB Berlin als ErgĂ€nzung zur VerpackungsprĂŒfung sogenannte âLoop-Testsâ durchgefĂŒhrt, die die Mehrweg-UmlĂ€ufe von Glasflaschen simulieren. Dabei geht es um die Abnutzung in der AbfĂŒlllinie und den Alterungsverlauf der Flaschen. Autor Jan Fischer zeigt an einem Fallbeispiel, wie sich Innendruck und Schlagfestigkeit mit zunehmender UmlaufhĂ€ufigkeit verhalten und was das fĂŒr die Brauereipraxis bedeutet â mit zum Teil ĂŒberraschenden Erkenntnissen (S. 1353).
Weltbiermarkt mit leichtem Plus â Eigentlich ist es ein Grund zur Freude: Erstmals nach fĂŒnf Jahren rĂŒcklĂ€ufiger AusstoĂzahlen verzeichnet der Weltbiermarkt wieder ein leichtes Plus. Unser Herausgeber Dr. Karl-Ullrich Heyse hat den BarthHaas-Bericht 2019/2020 analysiert und ab Seite 1347 die wichtigsten Ergebnisse fĂŒr uns zusammengefasst. Demnach steigt z.âB. der BierausstoĂ in Europa ebenso wie bei den US-Craft Brewern. Aber: die Aussichten fĂŒr 2020 â naja, Sie wissen schon âŠ.
Editorial
Ich kann mich gut erinnern: An meinem ersten Tag in der Brauwirtschaft stellte mir mein damaliger Chef einen prall gefĂŒllten Aktenordner auf den Tisch: âSchauen Sie sich das mal an! Sie werden hĂ€ufiger damit zu tun haben.â Auf dem OrdnerrĂŒcken stand das Wort âGushingâ, und er sollte Recht behalten. Viele Fragen wurden seitdem durch Forschung geklĂ€rt. Und neue sind entstandenâŠ
Neuer Ansatz â Vor ĂŒber 100 Jahren wurde erstmals ĂŒber das âWildwerden des Bieresâ berichtet. Bis heute wird geforscht, je nach Leidensdruck mal mehr oder weniger intensiv. Roman Werner berichtet ab Seite 1310 von den aktuellen Arbeiten am Lehrstuhl fĂŒr Brau- und GetrĂ€nketechnologie in Weihenstephan. Der heutige Teil 1 befasst sich mit der Theorie der physikalischen VorgĂ€nge und einer neuen Messapparatur, in Teil 2 folgen dann die Ergebnisse.
Guter Rohstoff â Ein Problem bei der Gushing-Forschung ist auch die jĂ€hrlich schwankende, da witterungsabhĂ€ngige QualitĂ€t der Braugerste. Dr. Markus Herz, LfL, stellt uns die ersten Ergebnisse zu Ertrag und QualitĂ€t der bayerischen Sommerbraugerste 2020 vor. Sein Fazit: erfreulich gut, wenn auch regional sehr unterschiedlich. Mehr dazu ab Seite 1314. Gleich im Anschluss blicken wir auf âZehn Jahre Malzmonitoring des Deutschen Brauer-Bundesâ. Henrike Vorwerk, VLB Berlin, und Daniel Schock, DBB, berichten aus der Anfangszeit und dem Wunsch nach BĂŒndelung von Daten und einem FrĂŒhwarnsystem. Seit dieser Zeit hat sich einiges verĂ€ndert. Generell ist aber eine höchst erfolgreiche Branchenlösung entstanden
(S. 1320).
Apropos Branchenlösung â Auch wenn die physische BrauBeviale 2020 nicht stattfinden konnte, es war dennoch viel los auf der BrauBeviale@stage. PĂŒnktlich zum 1. Messetag starteten die Launch Days der myBeviale.com, wo sich ĂŒber 3000 Fachleute registriert und an den verschiedenen Veranstaltungen online teilgenommen haben. âEin vielversprechender Startâ, freute sich Andrea Kalrait, NĂŒrnbergMesse (S. 1305). Ab Seite 1324 berichten wir dann ĂŒber die dort zu hörenden VortrĂ€ge zum Themenblock âRohstoffe im Fokus der Brautechnologieâ, also dem Neusten zu Hopfen & Hefe, Braugerste & Wasser.
Neuer Mehrwegpool â Auch hier gibt es einen Neustart zu vermelden: FĂŒr viele ĂŒberraschend kam die Nachricht, dass der Bayerische Brauerbund gemeinsam mit zwei weiteren VerbĂ€nden und einigen Brauereien eine Genossenschaft gegrĂŒndet hat, die âMPB Mehrwegpool der Brauwirtschaft eGâ. Wir sprachen mit Dr. Lothar Ebbertz, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des BBB, ĂŒber die Motivation, die Ziele und die praktische Umsetzung des neuen Mehrwegpools (S. 1330).
Editorial
Sie kennen das bestimmt: Auf Ihrem Computermonitor ploppt ein Fenster mit der Meldung auf: âEs wurde eine Bedrohung gefunden! â Datei isolieren?â Sie klicken auf die SchaltflĂ€che âJa!â und schon haben Sie das Problem gelöst. Aber ach!, leider ist das im âechtenâ Leben nicht ebenso leicht machbar. Erkrankt? QuarantĂ€ne! Wer gesund ist, soll zumindest Abstand halten. Durch moderne Technik sind wir aber in der Lage, zumindest einen Teil des âsocial distancingâ abzufedern, WhatsApp Video-Call im Privaten und Zoom-/Teams-Meeting im Beruflichen sei Dank. Aber das ist nur die Spitze des digitalen Eisbergs, die Krise bringt ungeahnte KreativitĂ€t hervor. âCorona ist ein digitaler Tritt in den verlĂ€ngerten RĂŒcken. Wir stehen nach sechs Monaten da, wo wir ohne Corona in drei Jahren sein wolltenâ, sagte Peter Ottmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer NĂŒrnbergMesse in der virtuellen Eröffnungsrunde der diesjĂ€hrigen BrauBeviale am 10. November 2020. Wir informieren Sie ĂŒber die dort diskutierten heiĂen Themen ab Seite 1266.
In der vorliegenden Ausgabe der BRAUWELT warten zudem weitere spannende Digitalisierungsthemen auf Sie:
Ferninbetriebnahme â Eine Dienstleistung, die fĂŒr Anlagenbauer auch in der Zeit nach Corona zum guten Ton gehören dĂŒrfte. Weil die Inbetriebnahmespezialisten von BrauKon nicht einreisen durften, errichteten sie kurzerhand einen virtuellen Leitstand, von dem sie Kunden in den USA, Korea und Samoa bei der Inbetriebnahme rund um die Uhr unterstĂŒtzen konnten (ab Seite 1277).
IT-Sicherheit â Voranschreitende Digitalisierung zieht steigende Anforderungen zur Absicherung des Prozessleitsystems nach sich. Updates wollen gut vorbereitet sein, damit sich die Prozesssteuerung nicht kurzfristig ins Nirwana verabschiedet. Um die Bellâs Brauerei, Kalamazoo, Michigan, fĂŒr die Zukunft zu rĂŒsten, wurden auf einen Schlag die Software fĂŒr Leitsystem und Server-Betriebssysteme sowie die Datenbank-Architektur auf den neuesten Stand gebracht (ab Seite 1280).
E-Consulting â Wir nutzen inzwischen Video-Meetings, als ob es nie etwas anderes gegeben hĂ€tte. Dr. Gerrit BlĂŒmelhuber, Leiter des GeschĂ€ftsbereichs Beratung, Seminare und Dienstleistungen bei Doemens, erlĂ€utert im Interview den Stellenwert, den das E-Consulting dort inzwischen erreicht hat (ab Seite 1286).
Einen gesunden Start in eine friedliche Adventszeit wĂŒnscht Ihnen