BRAUWELT 4-2026
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EDITORIAL - Der Zeitgeist und seine Folgen
In letzter Zeit hört man viel vom sogenannten Zeitgeist. Und der meint es mit seinem Trend zu mehr Gesundheitsbewusstsein und Selbstoptimierung gerade wirklich nicht gut mit der Brauwirtschaft. Die Biersatzzahlen für 2025 weisen ein erschreckendes Minus von sechs Prozent aus (Seite 116) und sogar Bayern, das sich lange dem Abwärtssog widersetzen konnte, verzeichnet ein ordentliches Minus, wie auf der Jahrespressekonferenz des Bayerischen Brauerbundes zu hören war (Seite 114). Aber die Brauwirtschaft wäre nicht die Brauwirtschaft, wenn sie keine Ideen hätte, diesem Zeitgeist zu trotzen.
„Erfolgsfaktoren für Brauer von morgen – Mut zum Morgen“, so hieß das Motto der diesjährigen Doemens Impulse Ende Januar. Zwei Tage lang präsentierte und diskutierte man in Gräfelfing Möglichkeiten, mit Brauerei-Equipment oder durch technologische Maßnahmen alkoholfreie Biere und alternative alkoholfreie Getränke herzustellen. Die Verkostungen zeigten die Vielfalt der vorstellbaren Getränke. Und auch altbekannte Bierstile könnten im neuen Mantel heutzutage wieder gute Erfolgschancen haben (Seite 113). Dabei war es nicht die einzige Veranstaltung, die sich passend zum Dry January dem Zeitgeist und seinen Folgen widmete. Auch bei den Getränke Impuls Tagen nahm das Thema alkoholfreies Bier breiten Raum ein, wie Sie ab Seite 134 sehen werden.
Menschen kaufen Emotionen, keine Dinge – Daher sollten Brauereien, um dem sinkenden Bierabsatz entgegenzuwirken, keine Produkte verkaufen, sondern Erlebnisse, meint der Psychologe Prof. Ulrich Orth, Universität Kiel. Wie entstehen solche Markenerlebnisse und wie können Brauereien sie gestalten? Ab Seite 124 zeigt er anhand konkreter Beispiele, wie Brauereien ihre Marken gezielt mit Erlebnissen verknüpfen können, um erfolgreicher zu sein.
Erfolg trotz Gegenwind – Ein gutes Beispiel ist auch die Störtebeker Braumanufaktur. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass es der Brauerei im äußersten Nordosten Deutschlands mit all den ungünstigen Rahmenbedingungen gelingt, dies in einen strategischen Vorteil umzumünzen? Die Brauerei, in einer als strukturschwach geltenden Region mit begrenzter Kaufkraft und eher traditionellem Konsumverhalten gelegen, hat das Kunststück geschafft, sehr erfolgreich zu sein und Wachstum, Wertschöpfung sowie überregionale Bedeutung zu erlangen (Seite 128).
Lassen Sie sich anstecken von so viel Mut zum Morgen, dann ist der Zeitgeist bald kein Schreckgespenst mehr.