BRAUWELT 24-2025
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EDITORIAL - Langfristig gedacht
Angesichts der schwierigen Lage der Braubranche ist es für viele Unternehmer sicher nicht einfach, an Investitionen in den Betrieb und dessen Zukunftsfähigkeit zu denken. Aber genau dies wäre der richtige Weg. Hier einige Beispiele, die Mut machen.
Die neue Flaschenfüllung der Zwettler Brauerei in Österreich ist Teil eines langfristigen Gesamtkonzeptes. Die Investition in den Flaschenkeller soll Leistungsfähigkeit und Flexibilität steigern sowie den Energie-, Wasser- und Medienverbrauch reduzieren. Die eigene Photovoltaikanlage sorgt zusätzlich für mehr Unabhängigkeit (Seite 869). Auch der Hopfenmarkt gibt wenig Anlass zur Freude, und doch hat die Hopfenveredlung St. Johann gerade ihr neues Heizhaus eingeweiht. Mittels neuem Biomassekessel und modernem Energiekonzept kann der Verbrauch fossiler Rohstoffe drastisch reduziert werden. Geradezu ein Vorzeigeprojekt mit Aussicht auf Vorbildfunktion für andere Branchen (Seite 869)!
Vorsorge treffen – Ein großflächiger Stromausfall kann in der Brau- und Getränkebranche erhebliche finanzielle Verluste verursachen. Die fortschreitende Digitalisierung erhöht die Abhängigkeit weiterhin. Neben Problemen in der Produktion oder der Logistik sind auch die betrieblichen Sicherheits- und Überwachungskontrollen betroffen. Im Beitrag ab Seite 882 werden die wichtigsten technischen wie organisatorischen Maßnahmen zur Absicherung beleuchtet, um im Fall der Fälle bestmöglich gewappnet zu sein.
Portfolioerweiterung – Während die Braubranche in Europa mit alkoholfreien Getränken nach einer Antwort auf die aktuelle Alkoholdiskussion sucht, reagiert man jenseits des Atlantiks ganz anders: Craft Breweries werden zu Brewstilleries umgebaut mit dem Ziel, Umsätze zu steigern und die Kundenbasis zu vergrößern. Die Idee dahinter: Brauereispezialitäten der besonderen Art, was auch hierzulande interessant sein könnte. Horst Dornbusch kennt beide Märkte und gibt Hintergrundinformationen zu rechtlichen Aspekten (Seite 885).
Reifezeit – Zum Schluss schauen wir noch in die Forschung: Die sensorische Entwicklung holzfassgereifter Biere vorherzusagen, ist nahezu unmöglich. Zu groß ist der Einfluss des Holzes und der Mikroorganismengemeinschaft. Um diesem Mysterium näher zu kommen, wurde an der KU Leuven, Belgien, ein Modellsystem im Labormaßstab entwickelt, das wir ab Seite 876 vorstellen (siehe auch: www.brewingscience.de; in open access!). Zukünftig soll das System ermöglichen, die Bierreifung in Fässern im großen Maßstab zu untersuchen und so dem Brauer das Experimentieren mit Holzfässern zu erleichtern.