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Nachbericht

19.07.2022

Zwischen Bierbrauen und Brauwissen

Braumeistercamp | Was 2015 als Sommerakademie gestartet war, hat sich mittlerweile als feste Größe mit anspruchsvollem Programm etabliert. Axel Kiesbyes Braumeistercamp spricht bei weitem nicht nur ambitionierte Hobbybrauer an, sondern bietet auch professionellen Brauern neue Eindrücke und viele Anregungen.

So ist es kaum verwunderlich, dass die Organisatoren Axel Kiesbye und Jens Luckart am 29. Juni 2022 im österreichischen Obertrum die Rekordteilnehmerzahl von etwa 60 Teilnehmern begrüßen konnte, darunter engagierte Bierenthusiasten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihr Hobby pflegen wollten, wie auch hauptberufliche Brauer aus Deutschland oder auch den USA, etwa von der Boston Beer Company und der Sierra Nevada Brewing Company.

Das viertägige Programm auf dem Stieglgut Wildshut hatte es in sich. „Ihr werdet nicht alles schaffen“, hatte Kiesbye schon eingangs prophezeit. Die Teilnehmer hatten tatsächlich die Qual der Wahl. An den beiden Sudtagen konnte man den sieben Braustars beim Biersieden auf den vier unterschiedlichen Brauanlagen über die Schulter schauen: Am Donnerstag brauten Dr. René Rehorska, FH Joanneum Graz, Österreich, ein Oberpfälzer Dampfbier, Prof. Martin Krottenthaler, HSWT Weihenstephan, ein Brown Ale, Megan Parisi, Boston Beer Company, ein Schwarzbier und Scott Jennings, Sierra Nevada Brewing Company, ein New Style Hazy IPA. Am Freitag folgten Oliver Wesseloh, Kehrwieder Brauerei, ebenfalls mit einem New Style Hazy IPA, Marco Lauret, Fortbrouwerij Duits & Lauret, Everdingen, Niederlande, mit einem Bière de garde, und Georg „Schorsch“ Tscheuschner, Schorschbräu, Gunzenhausen, mit einem Weizenbock.

Axel Kiesbye (li.) und Jens Luckart führten durch eine bestens organisierte und informationsreiche  Veranstaltung

Im Vortragsraum wechselten sich an beiden Tagen technologische Vorträge mit Tastings ab. Die technologischen Vorträge deckten natürlich alle Rohstoffe ab. Prof. Krottenthaler führte den Zuhörern anschaulich vor Augen, wie sich Salze im Wasser auf den Geschmack auswirken und so zu den regional vorherrschenden Bierstilen geführt haben. Ulrich Ferstl, Malzfabrik Weyermann, Bamberg, sprach über Raucharomen im Malz und das – durchaus überraschend vielfältige – Einsatzpotenzial von Rauchmalz. Dr. Christina Schönberger, BarthHaas, Nürnberg, verriet Tipps und Tricks rund um die Kalthopfung, und der per Video zugeschaltete Stefan Lupprich, Fermentis, zeigte Herstellung und Einsatz von Trockenhefe bei alkoholhaltigen und -freien Bieren. Weitere Themen waren Erfahrungen zum Einsatz von biologischer Milchsäure zur Maische-pH-Regulation (Megan Parisi), die Fermentationscharakteristika von spontanvergorenen Bieren am Beispiel eines Styrian Geuze Ales (Dr. René Rehorska) oder Einblicke zu Ausbau und Reifung von Starkbieren in ausgewählten Barriques (Schorsch Tscheuschner) – um nur einige wenige zu nennen.

Im Wechsel zu den mehr oder auch weniger theoretischen Ausführungen gab es zahlreiche Tastings von mitgebrachten Bieren. (Hierzu hatten sich einige Teilnehmer zwischen mehr Kleidung oder mehr Bierdosen im Fluggepäck entscheiden müssen. Ihre Entscheidung wurde mit großem Beifall belohnt.) Abgerundet wurde das Programm durch Führungen durch das Stieglgut Wildshut und die dortige Brauerei von Stiegl-Braumeister Markus Trinker sowie durch die Obertrumer Brauerei.

Axel Kiesbye hatte nicht zu viel versprochen: Man konnte, ja man musste sich zwischen den vielen spannenden Programmpunkten entscheiden. Und für viele der Profi- und Hobby-Brauer stand schon am Samstagvormittag bei der Verabschiedung fest: Wir sehen uns in einem Jahr wieder. Die Gelegenheit dazu gibt es vom 14. bis 17. Juni 2023 wieder in Obertrum bzw. auf dem Stieglgut Wildshut.

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