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Rohstoffe

Ein unermüdlicher Kämpfer für den Spalter Hopfen: Werner Wolf bei der Ehrung durch Mario Schäfer (li.) und Walter König (re.)
26.10.2021

Long-Covid im Malzmarkt?

19. Spalter Rohstofftag | Der Spalter Rohstofftag hat seine Wurzeln im Hopfen, auch wenn die anderen Rohstoffe stets mitberücksichtigt wurden. Bei seiner 19. Auflage am 12. Oktober 2021 in der Hopfenhalle der HVG in Spalt spielte jedoch eindeutig der Gersten- und Malzmarkt die Hauptrolle. Aber der Reihe nach…

Zunächst begrüßten Dr. Frank Braun, HVG Spalt, und Stefan Stang, Private Brauereien Bayern e.V., die 120 Teilnehmer. Es war Stangs traurige Aufgabe, an den im Januar verstorbenen Hans Zeiner zu erinnern, der seinerzeit den Spalter Rohstofftag ins Leben gerufen hatte. Durch das Programm führten Mario Schäfer, Private Brauereien Bayern, und Walter König, Bayerischer Brauerbund. Bevor es mit den Vorträgen losging, ehrten die beiden mit Werner Wolf, ehemals Amt für Landwirtschaft und Forsten in Roth, einen langjährigen Referenten des Rohstofftages, für sein jahrzehntelanges, unermüdliches Engagement rund um den Spalter Hopfen.

Der Hopfenmarkt national und international

Sein Nachfolger im Amt Wolfgang Jank stellte zusammen mit Dr. Braun die Spalter Hopfenernteergebnisse vor: Von den 400 ha Anbaufläche werden 730 t und damit ein leichter Ertragszuwachs für 2021 erwartet. Die Qualität der verschiedenen Sorten scheint hervorragend zu sein. „Da ist für jeden Brauer was dabei“, sagte Jank und empfahl den Brauern angesichts der moderaten Preise die Hopfenläger aufzufüllen. Dr. Johann Pichlmaier, Vorstandsvorsitzender der HVG Wolnzach, zeichnete für den nationalen und internationalen Markt ein ähnliches Bild: Die Anbaufläche ist weltweit, auch in Deutschland in etwa gleichgeblieben. Er ging auf die wichtigsten Sortenveränderungen in Deutschland und den USA ein. Die Ernte ist weltweit mit 129 000  t Ertrag (2020: 124 400  t) und Alphasäure (erntefrisch 14 200  t (2020: 13 150  t) besser ausgefallen als 2020. In Deutschland wird mit 47 845 t eine qualitativ und quantitativ gute Ernte erwartet (Weitere Informationen zur diesjährigen Ernte siehe auch BRAUWELT, Nr. 42/21, S. 1043).

Die Hauptakteure des Spalter Rohstofftages 2021: (v.li.) S. Bergler, Dr. F. Braun, Dr. J. Pichlmaier, M. Schäfer, A. Lutz, W. Jank und W. König

Dramatische Lage am Malzmarkt

Einen ernüchternden Überblick über die Marktsituation bei Braugerste und Malz als langfristige Folge der Corona-Pandemie gab Stephan Bergler, Fa. Ireks, Kulmbach. Die Landwirte hätten nach dem Einbruch im Biermarkt zu Beginn der Pandemie nur sehr verhalten auf Braugerste gesetzt. Berichte, dass Ware zurückgehandelt und als Futtergerste oder für industrielle Zwecke vermarktet wurden haben dem Image der Braugerste mit ihren hohen Anforderungen geschadet. Dementsprechend gering ist die Anbaufläche: Ein Rückgang der Fläche auf gerade noch 300 000 ha sind ein historischer Tiefpunkt. Extrem feuchte Aufwuchsbedingungen in Deutschland, nur scheinbar dichte Bestände und eine extrem lange, von Regenphasen geprägte Erntezeit haben nicht nur in Deutschland (siehe auch S. 1082), sondern in ganz Europa zu schwachen Ernteergebnissen geführt.

Nehmen, was zu haben ist

Bergler zeichnete ein düsteres Bild: Die Versorgungsbilanz ist knapp, die Versorgung nur unter Einbeziehung von Grenzqualitäten möglich. Die Preise steigen täglich. Die Ernte in Nordamerika war ebenfalls schlecht. Man müsse auf gute Ernten in Südamerika und Australien hoffen, um die Lücken zu füllen. Hier kommen jedoch die ebenfalls stark steigenden Logistikkosten hinzu. Bergler sieht Brexit-ähnliche Auswirkungen auch auf uns zukommen: Fehlende Ware, fehlende Transportmöglichkeiten und rapide steigende Preise. Er macht sich Sorgen, ob die Vertragsketten Bestand haben – so dramatisch sei die Lage.

120 Teilnehmer kamen zum 19. Rohstofftag nach Spalt

Für Deutschland bedeutet die zunehmende Abhängigkeit von Braugerste aus dem Ausland auch den Verlust von Einfluss. „Wir sprechen nicht mehr von einzelnen Sorten oder Qualitäten, sondern nur noch von Mengen. Wir müssen nehmen, was wir bekommen können“, so Bergler wörtlich.

Ergebnisse von Früh-vermälzung und Berliner Programm

Dr. Martina Gastl, TUM-Weihenstephan, ging zum Abschluss auf die ersten Ergebnisse der Frühvermälzung ein. Auf Grund der verspäteten Ernte liegen erst wenige Muster vor. Aus deren Untersuchungen zeichnet sich ab, dass Auswuchs und feuchte Partien mit der Gefahr von Besatz dieses Jahr ein Thema sein könnten, die Verkleisterungstemperaturen sollten dagegen unkritisch sein. Aus dem Berliner Programm berichtete Dr. Gastl, dass die Sorte Lexy von der Braugersten-Gemeinschaft für die weiterführenden Praxisversuche empfohlen wurde. Die Sorten Amidala und KWS Jessie haben diese Prüfungen erfolgreich absolviert und daher die Verarbeitungsempfehlung der Braugerstengemeinschaft erhalten.