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Mit diesem Zitat eröffnete Dr. Karl Glas, wissenschaftlicher Leiter des cpw, das

Eigentlich hatten wir uns das etwas anders vorgestellt.

„Selten zuvor waren das Interesse und die Spannung der internationalen Brauwelt für das Ergebnis der Ernteschätzung so groß wie in diesem Jahr.“ Dieses Zitat vom bayerischen Landwirtschaftsminister J. Miller anlässlich der Hopfenrundfahrt Ende August in der Hallertau lässt sich problemlos auf die Braugerstenernte übertragen. Gespannt blicken Landwirtschaft, Handel und Brauwirtschaft auf die vorläufigen Ernteergebnisse, gen Himmel, ob das Wetter denn auch hält, und auf die ersten Erkenntnisse zur Verarbeitungsfähigkeit der Rohstoffe.

Deutschland heute: Die Kosten steigen, die Ansprüche auch. Die Margen sinken, der Bierabsatz auch. Vom Handlungsspielraum, den die Politik dem Teil der Getränkewirtschaft lässt, der alkoholische Getränke produziert, ganz zu schweigen. Ein echtes Dilemma! Wer nicht aktiv nach Lösungen sucht, sondern hofft, dass es irgendwann mal wieder besser werden wird, wird bald das Nachsehen haben. Auf vielen Gebieten wird intensiv nach Lösungen und Alternativen gesucht.

Schon lange geht es nicht mehr ausschließlich um die Produktion eines Lebensmittels. Konsumenten interessieren sich für das Wie und Woher, von den Rohstoffen bis zur Logistik. Der moderne Verbraucher interessiert sich für die Hintergründe. Er möchte Konsum mit reinem Gewissen. „Sustainability“ heißt das Zauberwort, also nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Wirtschaften, ein Trend mit guten Chancen zum Kassenschlager.

Diese Schlagwörter fallen ins Auge, wenn man den Brauwelt-Report von dieser Woche liest. Zunächst könnte man meinen, diese Begriffe haben mit einander wenig zu tun. Sieht man aber genauer hin, dann erkennt man doch Zusammenhänge und gemeinsame Faktoren, die das Verhalten der Kunden, auch beim Getränkeeinkauf in Zukunft stärker beeinflussen können.

Das Braugerstenjahr 2008 dürfte zumindest in Unterfranken nicht weniger Probleme bringen als 2007. Das Urteil der Fachleute: „Wir haben eine schwierige Ernte und ein ebenso schwieriges Verarbeitungsjahr vor uns“. In ganz Bayern rechnet man mit einem Braugerstenaufkommen von etwa 320 000 t, bei etwas „toleranteren“ Proteingehalten könnten es 400 000 bis 420 000 t sein. Auch in punkto Anbauflächen kann keine Entwarnung gegeben werden. Zu gut waren im vergangenen Jahr die Preise für Weizen, zu groß die Schwierigkeiten bei der Braugerste(S. 892).

„Marken und Produkte, die keine Emotionen auslösen, sind für das Gehirn wertlos.“ Mit dieser Aussage konfrontierte Dr. Hans-Georg Häusel, Nymphenburg Consult AG, München, die Teilnehmer der Brauwissenschaftlichen Tagung Mitte April 2008 in Freising. Vermutlich überlegte der eine oder andere Brauereibesitzer stillschweigend, ob seine Werbekampagne denn die Gefühlswelt seiner Kundschaft trifft und ob sein Werbeetat wirklich gut investiertes Geld ist. Alles eine Frage der Zielgruppe: Wen möchte ich überhaupt ansprechen – der Rest ist dann (vergleichsweise) einfach:

Sie hätten sich sicher gefreut – die Herren, die sich am 1. Januar 1883 zur Gründung der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin zusammenfanden. 125 Jahre später wurde auch die Idee, die sie mit der Gründung der VLB verfolgten, in einem rauschenden Fest gefeiert. Ihre Idee ist selbst im Jahre 2008 keineswegs verstaubt oder antiquiert. Sie wird heute als Public Private Partnership bezeichnet und ist noch immer ebenso modern wie effizient.

Es gibt viele Sprichwörter, die sich auf den deutschen Biermarkt übertragen lassen – ob „Stillstand ist Rückschritt“ oder das berühmte Kaninchen vor der Schlange… Man kann es aber auch positiver, motivierender ausdrücken, wie es Günter Birnbaum, GfK Nürnberg, beim Deutschen Brauertag Mitte Juni in Berlin getan hat. „Die Zukunft gehört den Mutigen! Sehen Sie die Veränderung als Chance zu gestalten, ansonsten werden Sie gestaltet – und das ist immer die schlechtere Position“, appellierte er an die deutschen Brauer, auf die sichtbare Trendwende bei den Konsumenten zu (re-)agieren.

Gerade für das Management mittelständischer Brauereien werden die zu bewältigenden Themen immer komplexer. Die vorliegende Ausgabe der Brauwelt ist dafür der

Nach dem aktuellen Braugerstenreport sind die Sommergerstenflächen in Deutschland und Europa in diesem Jahr regional zum Teil deutlich ausgedehnt worden (S. 661). Dagmar Hufnagel, Korrespondentin des Ernährungsdienstes, führt dies zum einen auf die besseren Preise für Braugerste zurück, zum anderen auf die Aufhebung der Flächenstilllegung. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die in Deutschland um zwei bis drei Wochen verzögerte Aussaat auf den Erntezeitpunkt und die Erntemenge auswirken wird.

Mit diesen Worten eröffnete Dr. Georg Schu, IGS, Hallbergmoos, vergangene Woche das 9. Energietechnische Seminar, das erstmals in Zusammenarbeit mit dem Competence Pool Weihenstephan und dem Fachverlag Hans Carl in Nürnberg veranstaltet wurde. Auch die Süddeutsche Zeitung widmete die donnerstägliche Beilage derselben Woche diesem Thema, wenngleich sie den ersten Artikel mit „Energiepolitik ohne Impulse“ betitelt, was beim Weihenstephaner Seminar bei weitem nicht der Fall war. Eines ist klar: Dass der Anbau von Energiepflanzen und Pflanzen für die Lebensmittelproduktion um dieselbe Ackerflächen konkurriert, ist auch in der hohen Politik mittlerweile angekommen (vgl. „Kanzleramt erkennt Flächenkonkurrenz an“, S. 621).

„Durch den Wegfall traditioneller Gemeinschaften, den Zerfall bestehender Sicherheit sowie die Liberalisierung der Märkte wächst die Sehnsucht nach vorbildlichen und zuverlässigen Wegbegleitern. Die Marke von Morgen wird zu einer Art Glaubensersatz …“

Rohstoffknappheit, Lebensmittelverteuerung, Energiekosten – wenn der Brauer nach einem harten Arbeitstag daheim den Fernseher anschaltet oder die Zeitung aufschlägt, wird er mit denselben Problemen konfrontiert wie im Betrieb. Die Probleme sind nahezu überall identisch – der Druck, eine Lösung zu finden, steigt.

Die drohenden Gewitterwolken der EU-Alkoholpolitik lassen uns nicht los. Da berichtet die FAZ am 22. April, einen Tag vor dem des Deutschen Bieres, über ein europäisches Forum „Alkohol und Gesundheit“ in Brüssel. 46 Unternehmen sowie Nicht-Regierungsorganisationen haben sich zu einer wirkungsvolleren Bekämpfung des Alkoholmissbrauches verpflichtet. Angesichts von jährlich 200 000 Toten durch Alkoholmissbrauch in der EU erwarte die zuständige EU-Kommissarin von der Alkoholindustrie, dass sie ihre Produkte verantwortungsvoll vermarktet und sie nicht bei Minderjährigen bewirbt, ist weiter zu lesen. So, als würde bisher nichts, aber auch gar nichts unternommen, um den Verbraucher von schädlichem Alkoholkonsum abzuhalten und zu einem maßvollen, genussvollen Trinken zu bewegen.

Eine große Bierkultur zu haben und zu pflegen – das schreiben sich die Kulmbacher besonders auf die Fahnen. Immerhin nennen sie sich „die heimliche Hauptstadt des Bieres“. Auch der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein ist sich der Bedeutung Kulmbachs für das Bier bewusst, weshalb er höchstpersönlich die neue Abfüllanlage der Kulmbacher Brauerei offiziell in Betrieb nahm. „Bier ist ein Kulturgut, Teil bayerischer Lebensart und nicht zuletzt ein Imageträger“, hob er in seiner Rede heraus. Er werde sich in Brüssel dafür einsetzen, dass beim Thema Alkoholpolitik nur so viel geregelt werde, wie unbedingt geregelt werden müsse. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei!

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Ob alte Floskel oder altbekannte Weisheit, hoch aktuell ist es allemal. Wie sieht die Getränkewelt von morgen aus? Mit welchem Produkt treffe ich den Kundengeschmack? Es gilt, einen Spagat zu schaffen zwischen den steigenden Qualitätsansprüchen des Kunden und dem Wunsch, die Kosten bzw. den Preis zu senken. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob der „Kunde“ eine Brauerei oder der Endverbraucher ist.

Dieses Szenario entwarf Dr. Johann Pichlmaier, HVG, Wolnzach, in seinem Vortrag auf der 95. Brau- und Maschinentechnischen Arbeitstagung der VLB in Kulmbach. Aufgrund der schlechten Versorgungslage beim Hopfen und der zu erwartenden Entwicklung sei es, „weltweit betrachtet, nicht auszuschließen, dass Bier nicht gebraut werden kann, weil es an Hopfen mangelt“ (S. 361). Inwieweit sich die Marktlage entspannen wird, ist vom Bierabsatz, den künftigen Anbauflächen, klimatischen Schwankungen sowie der Verwendung vorisomerisierter Produkte abhängig. Bei deren Herstellung herrschen jedoch Kapazitätsengpässe.

Sie werden sich sicherlich fragen, was eine solche Überschrift über dem Editorial der Brauwelt zu bedeuten hat. Nun, sie soll Anregung geben. Anregung, über die üblichen Themen im Bereich Marketing hinauszugehen. Peter Zernisch, Köln, hatte es beim vergangenen Bayerischen Brauertag drastisch formuliert: „Die Brauer sprechen in Richtung ihrer Konsumenten zu viel über Technologie und Geschmack, aber zu wenig über Genuss!“ Mutig, so fand ich damals seine Aussage vor den zahlreich anwesenden Technologen. Zernisch überzeugte aber mit seinen Ausführungen, wahrer Genuss bedeute sehr viel mehr als „nur“ ein hervorragendes Produkt. Dazu braucht es Emotionen. Die Technologie ist unverzichtbar für ein gutes Produkt – eine gute Marketing-Strategie, eine gute Geschichte, ein gutes Image sind essentiell, um das Produkt Bier auch zu verkaufen.

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