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Rohstoffe

18.10.2022

Sommergerstenernte in Europa: Besser als erwartet

Braugerstenreport Europa | Die Sommergerstenernte in Europa ist quantitativ besser eingefahren worden als teilweise angenommen. Dazu beigetragen haben vor allem die Ernten in Skandinavien und Großbritannien. Auch in Frankreich und Deutschland fallen die Ergebnisse besser aus als zunächst erwartet, wobei nach der trocken-heißen Witterung die Qualitäten sehr unterschiedlich sind.

In Frankreich wird die mögliche Erntemenge auf von 2,9 Mio t bis 3,7 Mio t geschätzt. Unsicherheit bringen die Qualitäten: Die Proteinwerte sollen die Anforderungen von Mälzern und Brauern aber noch erfüllen, die Sortierung sei sehr unterschiedlich. Zudem kann französische Ware bei niedrigen Pegelständen auf den Wasserstraßen wie zuletzt nur bedingt nach Deutschland geliefert werden. Der Exportüberschuss wird auf 1,5 bis 1,7 Mio t geschätzt. In Dänemark wurde in diesem Jahr dank rechtzeitiger Niederschläge eine gute Ernte eingefahren. Teilweise sind Erträge deutlich über dem Durchschnitt von 6,5 t/ha eingefahren, der Exportüberschuss könnte bei 0,9   Mio t liegen. Während in Schweden ähnlich gute Aufwuchsbedingungen vorherrschten, befürchtet man in Finnland nach heftigen Regenfällen im August qualitative Einbußen.

Großbritannien berichtet von guten Erträgen und Qualitäten im Vergleich zu 2021. Allein die geringere Anbaufläche führt zu einem niedrigeren Exportpotential von nur ca. 400 000 t statt sonst bis zu 600 000 t. In Deutschland wurde die Fläche ausgeweitet und die Ernte auch früh und trocken eingefahren. Während der Vollgerstenanteil meist zufrieden stimmt, schwanken die Eiweißgehalte je nach Region zwischen unter 9,5 und über 13 Prozent.

Die Trockenheit hat in Teilen Österreichs wie auch in der Slowakischen Republik regional zu sehr unbefriedigenden Erträgen geführt. Österreich rechnet mit einem Importbedarf, die Slowakei hofft noch auf eine ausgeglichene Bilanz. Tschechien geht von einer ähnlich hohen Produktion wie 2021 und einem großen Braugerstenanteil aus, wovon rund 300 000 bis 400 000 t in den Export gehen könnten. Ungarn meldet große Unterschiede bei den Proteinwerten und befürchtet Importbedarf. Polen rechnet dagegen mit einer guten Qualität seiner Braugerste und einem Importbedarf von 250 000 bis 300 000 t.

Ein Fazit

Aktuell wird erwartet, dass die Ernte 2022 aus der EU für etwa 13 Monate reicht. Auch ohne Überhänge aus der Ernte 2021 in die neue Saison wird die aktuelle Versorgungssituation als knapp, aber nicht besorgniserregend eingeschätzt. Eine rechtzeitige Ernte 2023 wäre beruhigend.

Ein drängenderes Thema könnte jedoch die Verfügbarkeit von Gas bei der Verarbeitungsindustrie werden. Es wird bereits über reduzierte Mälzungskapazitäten oder vorübergehende Stilllegung von Braustätten in Ermangelung von Gas berichtet. Das könnte das Angebot an Gerste verbessern und sich möglicherweise schwächend auf die Kurse auswirken. Auf der anderen Seite ist die Dürre in China und deren Auswirkung auf die chinesische Ernte zu berücksichtigen. Bei größerem Importbedarf könnte dies wiederum einen stabilisierenden Einfluss auf die Preise haben.

Auch die schwierige Logistik bleibt ein Thema. Hohe Frachtkosten belasten den Markt. Allerdings sind Kontrakte häufig für spätere Termine ab Oktober abgeschlossen, wo sich die Lage auf den Wasserstraßen vermutlich entspannen wird.