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Rohstoffe

Dr. Markus Söder kam persönlich, um die Hopfenernte offiziell zu eröffnen.
13.09.2022

Gute Versorgung trotz schlechter Ernte

Verband Deutscher Hopfenpflanzer | Pünktlich zu Beginn der Hopfenernte hatte der Verband Deutscher Hopfenpflanzer am 31. August 2022 rund 140 Vertreter der lokalen, regionalen und bayerischen Politik, der Brau- und Hopfenverbände sowie aus der Hopfen- und Brauwirtschaft und dem Agrarhandel nach Wolnzach zur Hopfenrundfahrt 2022 eingeladen.

Dabei ließen es sich Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf dem Hopfenbaubetrieb von Stephan Weiß in Geisenfeld nicht nehmen, vor den Augen und Kameras zahlreicher Fotografen höchstpersönlich die Hopfenernte in Bayern zu eröffnen.

Deutschlands Hopfenköniginnen mit  Adolf Schapfl und Michaela Kaniber bei der Hopfenrundfahrt 2022

Aber der Reihe nach … Vor der Rundfahrt startet die Informationsveranstaltung mit einem Pressegespräch, wobei in diesem Jahr zwei Aspekte dominierten: die Trockenheit bzw. das Thema Bewässerung sowie die Kostenexplosion. Makabererweise setzte just zu Beginn der Veranstaltung der lang ersehnte Regen ein, der für die frühen Sorten aber sicherlich zu spät kam. Auf Grund der ungewöhnlichen Trockenheit wird 2022 nämlich eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet. Die Experten rechnen bundesweit mit 38 000 Tonnen Hopfen (– 20 % zu 2021). Für Bayern rechnet man mit ca. 33 000 Tonnen, wovon 32 500 Tonnen aus der Hallertau und rund 500 Tonnen aus Spalt erwartet werden.

In die Zange genommen

Der Präsident des Verbandes Deutscher Hopfenpflanzer Adolf Schapfl fasste das schwierige Hopfenjahr 2022 zusammen: „Wir werden sozusagen von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits sind unsere Ausgaben aufgrund explodierender Kostensteigerungen enorm angestiegen. Andererseits fehlen uns nach Hagelschlägen und vor allem aufgrund der trockenen Witterung die erwarteten Erntemengen und damit die Einnahmen für die Betriebe.“ Schapfl macht sich langfristig Sorgen um die Zukunft der Betriebe und des Hopfenanbaus in der Hallertau; insbesondere die in der Hallertau nur selten vorhandene Hopfenbewässerung sei ein probates Mittel, den Anbau, die Erträge und die Konkurrenzfähigkeit deutscher Hopfenpflanzer zu sichern. Er befürchtet, dass 2022 die bestehenden Verkaufskontrakte erheblich unterliefert werden. Trotz der geringe Ernte sei aber die Versorgung der weltweiten Brauwirtschaft dank der Vorräte aus der guten Vorjahresernte gesichert. „Niemand muss beim Bier sparen oder Angst haben, dass das Bier knapp wird.“

Peter Hintermeier, 1. Vorsitzender des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes, ergänzte die Ausführungen mit einem Blick auf den Hopfenmarkt. Trotz der schlechten Ernte in Deutschland sei der Markt global immer noch überversorgt. Das läge vor allem am über Jahre anhaltenden Zuwachs der Flächen für alphareiche Flavour- und Aromasorten in den USA für den Craft Bier-Markt sowie eben der guten Vorjahresernte. Gleichzeitig hat sich der Weltbierausstoß 2021 nur leicht erholt (+ 4 %) und noch nicht wieder das Vor-Covid-Niveau erreicht. Für das Braujahr 2022 schätzt er eine weltweite Überversorgung von 2347 Tonnen Alpha. „Das Hochalphasegment trägt zu der Überversorgung aber nichts bei“, sagte Hintermeier und vermutet, dass das Angebot an Hochalphasorten aus der Ernte 2022 niedriger sein könnte als der Bedarf. Hintermeier verwies auf zahlreiche Herausforderungen der gesamten Hopfenwirtschaft. Dazu gehören neben der Steigerung des Anteils bewässerter Flächen die neuen Vorgaben bei Pflanzenschutz- und Düngemitteln, die notwendige Flächenanpassung und natürlich auch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Energieversorgung oder den Bierexport, um nur die Wichtigsten zu nennen.

Streitthema Bewässerung

Angesichts der massiven Forderungen nach mehr Genehmigungen zur Bewässerung kam mit Prof. Martin Grambow der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zu Wort. Grambow riet dazu, sich auf eine Verschärfung des Klimawandels einzustellen und frühzeitig mit verschiedenen Maßnahmen zu reagieren, nicht nur mit der Einzelmaßnahme Bewässerung. „Die Bewässerungswürdigkeit des Hopfens ist gegeben, aber das Wasser muss irgendwo herkommen“, gab Grambow zu bedenken. Viele schauen gerade begierig auf die vorhandenen Wassermengen. Man müsse aber auch an den Gewässerschutz oder die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung denken. Um die Bewässerung möglichst gering zu halten, müssten auch Fortschritte bei Züchtung und der Anbautechnik genutzt werden, so der Wasserwirtschaftler.

Im Anschluss daran ging es nach Geisenfeld zur Besichtigung des Hopfenbetriebes und zum schon erwähnten Fototermin mit Ministerpräsident Söder.