Personen und Positionen
Die Vielfalt unserer Brauereien bewahren
Präsidentschaft | Am 21. Mai 2026 hat Dr. Stefan Kreisz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, das Amt als Präsident des Bayerischen Brauerbundes von Georg VI Schneider übernommen – in Zeiten, die von Kostensteigerungen, Absatzrückgängen und anderen Herausforderungen geprägt sind. Welche Pläne er hat und wie er seine Amtszeit als Brauerbunds-Präsident gestalten möchte, verrät er im Interview mit der BRAUWELT.
Herr Dr. Kreisz, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes! Eine ebenso ehrenvolle wie schwierige Aufgabe in diesen Zeiten …
Dr. Stefan Kreisz: Vielen Dank – das haben Sie sehr treffend formuliert. Die aktuell nicht einfachen Rahmenbedingungen machen deutlich, dass unsere bayerischen Brauereien eine geschlossene, starke Interessenvertretung brauchen. Viele der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, lassen sich von mittelständischen und kleineren Brauereien allein kaum bewältigen. Ich möchte mich deshalb dafür einsetzen, die Vielfalt der bayerischen Braulandschaft zu sichern und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.
Welche Themen sehen Sie aktuell als besonders herausfordernd für die bayerische Brauwirtschaft?
Dr. Kreisz: Die Herausforderungen sind vielschichtig, aber ich sehe aktuell vor allem vier zentrale Themenfelder: Regulierung, Alkohol-Bashing, Energie und Rohstoffe sowie die Digitalisierung.
Wir beobachten aus unserer Sicht eine Tendenz zur Überregulierung im Zusammenhang mit Ernährung und Alkoholpolitik, die gerade für kleinere und mittlere Betriebe eine enorme Belastung darstellt. Hier gilt es in Zusammenarbeit mit der Politik darum, unsere Betriebe vor zusätzlichen Belastungen zu schützen.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass unser großartiges Produkt und die positive Wirkung unseres Bieres nicht dem Zeitgeist zum Opfer fallen. Bier spielt seit mehreren tausend Jahren in der menschlichen Ernährung eine herausragende Rolle. Der verantwortungsvolle Umgang mit alkoholhaltigen Getränken, den schon Hildegard von Bingen (1098–1179) als positiv hervorgehoben hat, überfordert die Gesellschaft nicht und muss deshalb auch nicht stärker reguliert werden.
Eine stabile und sichere Energie- und Rohstoffversorgung spielt für Brauereien eine große Rolle. Im Sinne der Nachhaltigkeit – mittel- bis langfristig – auch die Implementierung von CO2-neutralen Lösungen. Hier kann der Verband nicht nur über Einkaufsgemeinschaften, sondern auch im Bereich Wissenstransfer eine entscheidende Rolle spielen.
Ein weiteres vieldiskutiertes Thema ist die Digitalisierung beziehungsweise die Implementierung von KI und die Cybersicherheit in Brauereibetrieben – auch hier ist bei der Geschwindigkeit der Entwicklungen in diesem Sektor ein Wissenstransfer auf einer Verbandsplattform von großem Nutzen.
Welche Rolle kann der Bayerische Brauerbund in der Bewältigung dieser Herausforderungen spielen?
Dr. Kreisz: Der Bayerische Brauerbund nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Er ist innerhalb des Deutschen Brauer-Bundes der stärkste Regionalverband und versteht sich insbesondere als Stimme der mittelständisch geprägten Brauwirtschaft. Daher ist es unsere Aufgabe, die Interessen der Mitglieder klar und wirksam gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu vertreten. Zusätzlich bieten wir konkrete Unterstützungen im Tagesgeschäft – von rechtlicher Beratung über technische Fragestellungen bis hin zu Wissenstransfers. Wir können dafür auf ein starkes Team zurückgreifen. Mit unserem Hauptgeschäftsführer Dr. Lothar Ebbertz sowie den Kollegen Walter König, Peter Zacharias und unserer Syndikus-Anwältin Lena Schwertl verfügen wir über ausgewiesene Fachleute, die tief in der Branche verankert sind.
Wo liegen Ihrer Meinung nach zukünftige Entwicklungschancen für die bayrische Brauwirtschaft?
Dr. Kreisz: „Bayerisches Bier“ steht weltweit für ein Qualitätsversprechen, das es weiter zu stärken gilt, denn die bayerische Brauwirtschaft hat nach wie vor eine hervorragende Ausgangsbasis. Nichtsdestotrotz werden auch wir uns mit sinkenden Absätzen beschäftigen müssen. Wachstum wird mittelfristig im Export und durch Innovationen getrieben werden. Bei letzterem dominiert aktuell das Segment alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere. Hier sehen wir steigende Nachfrage und Innovationspotenzial. Allerdings muss man realistisch feststellen: Dieser Trend kann die Rückgänge im klassischen Biersegment abfedern, aber nicht vollständig kompensieren.
Welche Themen liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?
Dr. Kreisz: Mir ist es ein besonderes Anliegen, die Vielfalt unserer Brauereien zu bewahren – von der kleinen Familienbrauerei bis zum großen Mittelständler. Diese Vielfalt ist kein nostalgischer Wert, sondern die Basis für die gesellschaftliche Relevanz unserer Branche. Gleichzeitig müssen wir den Mut haben, die Zukunft aktiv zu gestalten. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tradition und Innovation. Darüber hinaus sehe ich den Dialog mit Politik und Gesellschaft als essenziell an. Wir müssen erklären, welchen positiven Beitrag unsere Branche leistet, dazu gehört auch der Beitrag zur regionalen Wirtschaft durch Steuern und Arbeitsplätze, die Förderung der Landwirtschaft, von Kulturveranstaltungen, Breitensport und Festen.
Herzlichen Dank für das Gespräch und Ihnen viel Erfolg in Ihrer neuen Funktion!
Die Fragen stellte BRAUWELT-Chefredakteurin Dr. Lydia Junkersfeld.