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02.03.2026

Giganten der Biergeschichte: Josef Schülein

Münchner Bierkönig | Für diese Folge begeben wir uns wieder in den Dunstkreis der Münchner Biergeschichte. Vorab eine provokant klingende Frage: Darf man einem Menschen das Attribut „König“ geben, der heute weder in einem Brauerei- noch in einem Biernamen präsent ist? Zumal in München, wo es Brauerfamilien vom Kaliber Sedlmayr, Wagner oder Pschorr gab? Man darf. Denn der Name stammt nicht vom Autor, sondern wurde ihm einerseits bereits zu Lebzeiten gegeben („König von Haidhausen“), und außerdem wurde er mit einer Romanbiografie („Der Bierkönig von München“) geehrt.

Aber auch in München war es nicht anders als in Berlin (Ignaz Nacher, Folge 30, BRAUWELT Nr. 4, 2024): Unternehmer mit jüdischem Hintergrund wurden, nicht nur in der Brauereibranche, in der unseligen Nazizeit Opfer von Verfolgung und Enteignung. Je erfolgreicher, desto härter gingen die Nazis mit ihnen um. Sie sollten schlichtweg aus der Geschichte verschwinden, was zum Glück nicht gelang. Dies ist aber dennoch eine Geschichte von einem märchenhaften Aufstieg und einem eher unerfreulichen Ende.

Mit welcher Brauerei wurde Josef (oft auch Joseph geschrieben) Schülein zum „Bierkönig“ und zum „Giganten der Biergeschichte“? Gehen wir zuerst einmal zurück nach Franken, ins beschauliche Thalmässing (heute Landkreis Roth), am Rande des heutigen Naturparks Altmühltal gelegen. Der Ort hatte um 1850 maximal 1500 Einwohner, von denen ein erstaunlicher Anteil (ca. 20 Prozent) als Juden registriert war. Zu diesen 20 Prozent gehörten auch die Eltern unseres späteren Bierkönigs.

Josef Schülein kam dort am 31.03.1854 zur Welt. Die Familie war nicht reich, kam aber wohl recht gut durchs Leben. Der Vater Julius Noel Schülein war Tuchhändler und Ladenbesitzer. Kindheit und Erziehung Josefs liegen im Nebel der Geschichte. Überliefert ist nur, dass er als Junge beim und mit dem Vater arbeitete.

Repräsentatives Stadthaus von Josef Schülein mit dem Signet der Unionsbrauerei am Balkon (Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

Julius Noel starb offenbar sehr jung und zu früh, um 1867 mit Mitte Vierzig, so dass die Mutter Jeanette (Nette), geb. Gunzenhäuser, nach dem Tod ihres Gatten beschloss, mit den fünf Kindern nach München zu ziehen. Mit dem ehrgeizigen Ziel, dort Bankiers zu werden.
Im Adressbuch der Stadt München erscheint Jeanette zum ersten Mal im Jahr 1869: „Schülein, Jeanette, Privatiere, Schillerstr. 13“. Der Name der Firma Julius Schülein & Söhne, die die drei ältesten Söhne Jacob, Josef und Gustav in der Folge aufbauten, ging noch auf eine Gründung durch den Vater Julius Noel zurück.

Die Anfänge der drei älteren Schülein-Brüder waren wohl hart. Sie kamen als verwaiste und alles andere als wohlhabende Landjungen nach München, waren aber offenbar ungewöhnlich talentiert und geschäftstüchtig.

So fassten sie relativ bald im Immobiliengeschäft und Bankgeschäft Münchens Fuß; wenn zuerst auch in bescheidenem Maßstab. Hilfreich war offenbar die gute Vernetzung innerhalb der wohlhabenden jüdischen Gemeinde Münchens, in der der Name Schülein bereits bekannt war.

Der Wohlstand stieg rasch, der Geschäftsumfang ebenso. Bis nach Ingolstadt reichten die Verbindungen. 1891 erfolgte ein Rückschlag, als Jacob, der älteste Bruder, Suizid beging. Überliefert sind „private Gründe“ aus dem Umfeld seiner Ehe. Er hatte 1880 eine reiche Münchner Patriziertochter aus der Marx-Dynastie, erfolgreiche Münchner „Hofjuden“, geheiratet. Die auch „Hoffaktoren“ genannten, jüdischen Kaufleute belieferten den kurfürstlichen Hof und die Armee. Das waren prestigeträchtige Geschäfte, die auch Neid hervorriefen.
Bei seinem Tod betrug Jacobs Vermögen bereits über 500.000 Mark, von denen über 300.000 in der gemeinsamen Firma steckten. Als Ersatz wurde der jüngste Bruder Julius mit ins Boot geholt. Das Jahr 1895 markierte dann den großen Wendepunkt für die Familie Schülein, besonders für Josef: Der Einstieg ins Brauereigeschäft erfolgte.

Vom Bankgeschäft zum Brauereibesitz

Die Brüder Gustav, Josef und Julius Schülein ersteigerten zusammen mit ihrem Schwager, dem Nürnberger Hopfenhändler Josef Aischberg (verheiratet mit der Schwester Amalie), eine bankrotte Brauerei an der Äußeren Wienerstraße 42–44 (heute Einsteinstraße 42) in Haidhausen. Dieser Betrieb war mehrmals umbenannt worden. Gegründet 1845, firmierte sie ab 1881 bis 1886 als „Brauerei zum Schwaige“ (ab 1884 als AG „Zum Schwaige“). Sie war nach ihrem Besitzer Balthasar Füger (ab 1865) aber auch „Fügerbräu“ genannt worden.
1886 wurde das Braurecht (offiziell: die „Braugerechtigkeit“) des ehemaligen Löwenhauserbräus hinzugekauft. Zwei Jahre lang (1886–1888) hieß der vergrößerte Betrieb dann „Brauerei Gambrinus“, sogar als AG, mit ca. 21.000 hl Ausstoß, bevor sie dann unter dem Namen „Unionsbrauerei“ weiterarbeitete. Ab 1890 verlagerte sie ihren Produktionsort zum 1889 zugekauften „Dürnbräukeller“ in die Kellerstraße, so dass die Anlagen in der Äußeren Wienerstraße ungenutzt herumstanden.

Ölgemälde von Josef Schülein (1854–1938) von Leo Samberger 1902 (Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

Der zuvor stark gestiegene Absatz sank in dieser Zeit von 50.000 auf 27.000 hl und die „Unionsbrauerei“ ging in Konkurs. Ein wirtschaftliches Kunststück, da sich die Einwohnerzahl Münchens in dieser Zeit rasant vergrößerte (von 150.000 im Jahr 1860 auf 500.000 im Jahr 1900) und der Bierdurst in gleichem Maße wuchs.

Die geschäftstüchtigen Schülein-Brüder taten insofern genau das Richtige und gründeten mit der ersteigerten Betriebsmasse 1895 die „Unionsbrauerei Schülein und Compagnie“. So kamen sie eher zufällig vom Bank- und Immobiliengeschäft zum Brauereigewerbe.

Das wurde in München beileibe nicht nur wohlwollend gesehen, denn der „traditionelle“ Antisemitismus war allen Toleranzedikten zum Trotz fest im Münchner Alltag verhaftet, und das Brauereigewerbe galt bisher als urbayerisches, eigentlich „judenfreies“ Gewerbe. So dauerte es trotz anfänglicher Erfolge nicht lange, bis dieser Antisemitismus in Form von Neid offen geäußert wurde. Josef Schülein wurde als Sprecher der Brauerei Opfer von Schmähungen, die sich (zumindest zu Beginn) nicht auf sein Bier und seine Qualität bezogen, sondern mehr oder weniger unverbrämt auf seine jüdische Herkunft.

Wegen der Diffamierung seines Biers als minderwertiges, „jüdisches Dividendenwasser“ klagte er dann aber 1905 mit Erfolg gegen die Redaktion der „Münchner Bier-Chronik“. In der Folge gab es weitere juristische Scharmützel gegen dieses unverhohlen antisemitische Blatt und auch andere. Der „Völkische Beobachter“ ätzte später, 1922, gegen eine angebliche „Verjudaisierung der bayerischen Brauindustrie“. Und Adolf Hitler selbst ereiferte sich 1928 bei einer NSDAP-Versammlung öffentlich gegen Schülein und sein Brauerei-Imperium.

Großer Erfolg trotz antisemitischer Anfeindungen

Diese Anfeindungen hielt die Schülein-Brauerei nicht davon ab, gutes Bier zu produzieren und sehr, sehr erfolgreich zu sein. Der Ausstoß der Unionsbrauerei stieg von 14.800 hl (1896) innerhalb von nur fünf Jahren auf 177.000 hl. Das war selbst für das boomende München ungewöhnlich.

Ein Schlüsselwort der Zeit hieß nicht nur für Brauereien „Kapitalbedarf“. Ohne frisches Kapital kein Wachstum. Die Kombination aus Bankier und Brauereibesitzer in einer Familie war dabei enorm hilfreich. 1903 wurde die „Unionsbrauerei Schülein und Compagnie“ in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 1904 (oder 1905, je nach Quelle) fusionierte sie mit der „Münchner Kindl AG“ (damals immerhin die zehntgrößte Brauerei Münchens). Wobei der Begriff „Übernahme“ wohl treffender ist als „Fusion“. Bereits 1911 stieg Schüleins Sohn Hermann (geb. 1884) bei der Unionsbrauerei ein.

Josef Schülein war ein dynastisch denkender Mensch. Bis 1914, zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, stieg der Ausstoß auf 325.000 hl. Damit war man nach der Löwenbräu AG die zweit größte Brauerei-AG Bayerns. Im und nach dem Krieg offenbarten sich aber die Unterschiede zwischen diesen beiden größten Playern auf dem Markt. Während Löwenbräu weltweit sehr viel Bier verkaufte, war Schüleins Markt München und das Umland. Durch den Ersten Weltkrieg gingen die Auslandsmärkte jedoch verloren (nicht nur Elsass und Lothringen). Wertvolle Auslandsimmobilien des Löwenbräus wurden zudem konfisziert.

Löwenbräu in München (Foto: Haus der Bayerischen Geschichte)

Rohstoffknappheit und Produktionsbeschränkungen halbierten bis 1919 den Jahresausstoß. Löwenbräu kam ins Straucheln. Aufgrund der riesigen Überkapazitäten kam es unter den Münchner Brauereien nach dem Krieg daher zu einer Fusionswelle. Im Januar 1921 fusionierte die Löwenbräu AG mit der Unionsbrauerei Schülein & Co. AG (auch hier wieder mehr Übernahme als Fusion und zwar rückwirkend zum 1. Oktober 1919).

Jedenfalls erregte die „Fusion“ gehöriges Aufsehen. Niemals zuvor hatten sich zwei derart große „Big Player“ in München zusammengeschlossen. Im Grunde übernahm der Kleinere den Größeren. So wurde es zumindest von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Dies hing auch mit der Umbenennung zusammen. Der kapitalkräftige Josef Schülein opferte nämlich den Namen seiner Brauerei, weil Löwenbräu viel bekannter war, brachte im Gegenzug aber seinen Sohn Hermann in den Vorstand, der ab 1924 sogar Generaldirektor wurde. Josef Schülein kam in den Aufsichtsrat der neuen „Löwenbräu AG“.

Nach der Fusion wurde alles auf eine einzige Braustätte konzentriert. Der riesige Löwenbräu-Komplex am Stiglmaierplatz war mehr als ausreichend: Eine Sudleistung von 6000 hl pro Tag, eine Lagerkellerfläche von 22.000 m² und eine Jahreskapazität von fast einer Million hl. Die Schüleins brachten Löwenbräu wieder auf Kurs und Vorkriegsniveau.

1929 wurden mit über 1500 Beschäftigten bereits die Kapazität von 1 Mio hl erreicht. Aber damit waren die Fusionen noch nicht zu Ende: Am 28. Dezember 1921 fusionierte das Bürgerliche Brauhaus rückwirkend zum 1. September 1920 mit der neuen Löwenbräu. Wobei hiermit in erster Linie hochwertige Gastronomie wie der Bürgerbräukeller mit erworben wurde.

Aber schon vorher war Josef Schülein aktiv gewesen in Zukäufen: 1916, mitten im Krieg, hatte er das Schloss Kaltenberg mit der 1870 gegründeten Brauerei und dem Schlossgut erworben, zu dem auch Torfstich und Schafzucht im Emminger Moos gehörten. Kaltenberg betrieb er seither mit seinem Sohn Fritz (später Dr. Fritz Schülein). Als Patriarch und Gutsherr sorgte er sich intensiv um den Betrieb und seine Mitarbeiter. Er galt für den Ort Kaltenberg als beliebter Arbeitgeber.

Niedergang nach der Machtergreifung

Die Familie Schülein, mit Josef als prominentestem Mitglied, hatte sich also aus einfachsten Verhältnissen zu den Besitzern der größten Brauerei-AG Bayerns hochgearbeitet. Josefs Sohn Hermann war Generaldirektor und seit 1922 größter Einzelaktionär. Die Schüleins hatten „es geschafft“; allen antisemitischen Anfeindungen zum Trotz. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Das Jahr 1933 markierte mit der Machtergreifung der Nazis den Anfang vom Ende für Unternehmen mit jüdischen Besitzern im Deutschen Reich.

Wie auch die Brauereien Ignaz Nachers (Folge 30, BRAUWELT Nr. 4, 2024), so geriet auch die Münchner Löwenbräu AG in den Fokus der Nazis. Aus anfänglichem politischem Druck wurde eine existenzbedrohende Hetzkampagne. Löwenbräu-Produkte wurden als „Judenbier“ verunglimpft. Ganz besonders die Familie Schülein geriet in die Schusslinie. Josef Schülein gab noch im gleichen Jahr, 1933, seinen Aufsichtsratsposten auf und zog sich auf Schloss Kaltenberg zurück. Auch die anderen jüdischen Mitglieder des Aufsichtsrates wurden zum Rücktritt gezwungen.

Die jüdischen Großaktionäre (darunter Josef Schülein, der Bankier Martin Aufhäuser, der Bankdirektor Friedrich Pasternak, der Nürnberger Kommerzienrat Dr. Richard Kohn und Dr. Jacob Schulmann) mussten ihre Beteiligungen an der Löwenbräu AG verkaufen, sicher weit unter Wert. Hermann Schülein wurde als Generaldirektor abgesetzt, konnte jedoch aufgrund seiner Fachkompetenz weiterhin dem Vorstand angehören. Sogar die Nazis in München attestierten ihm, dass er der einzig Sachkundige in der Führung der Brauerei sei. Der wachsende antisemitische Druck bewog ihn dennoch zur Auswanderung.

Grabstelle von Josef und Ida Schülein auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München (Foto: Wikipedia)

Wegen angeblicher gesundheitlicher Probleme zog er sich Ende November/Anfang Dezember 1935 aus dem Vorstand zurück und konnte Anfang 1936 dank seines Sekretärs Joseph Simbeck mitsamt der Familie über die Schweiz in die USA fliehen. Er fasste schnell Fuß in New York und trat bereits 1936 als Managing Director in die Brooklyner „Liebmann Brewery“ ein. Er leitete die amerikanische Großbrauerei („Rheingold Extra Dry“) bis 1960 mit sehr großem Erfolg, blieb Löwenbräu aber zeitlebens eng verbunden.

Auch vier weitere Kinder emigrierten bis 1938 mit ihren Familien in die USA. Härter traf es den Sohn Dr. Fritz Schü-lein. Er wurde im Rahmen der Arisierung während der „Reichsprogromnacht“ (9.11.1938) enteignet und am 10. November 1938 interniert. Nach dieser „Schutzhaft“ im Konzentrationslager Dachau konnte er aber doch noch unbeschadet in die USA fliehen.

Das Gut Kaltenberg wurde nach der Enteignung der Regierung Oberbayerns unterstellt. 1948 erfolgte, nach endlosen, langwierigen Verhandlungen, die Restitution an Dr. Fritz Schülein. 1954 wurde Schloss Kaltenberg an das Haus Wittelsbach verkauft. Das Schloss ist heute Wohnsitz von Luitpold Prinz von Bayern und dessen Familie.

Josef Schülein verstarb mit 84 Jahren am 09.09.1938 an seinem Rückzugsort Schloss Kaltenberg. Er wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof im Münchner Norden bestattet.

Der „König von Haidhausen“

Wie aber kam nun Josef Schülein zu seinem volkstümlichen Königstitel? „Nur“ ein ungewöhnlicher Aufstieg genügt da nicht. Dazu müssen wir ins Familienleben eintauchen. Josef Schülein heiratete um 1880, noch vor seiner Brauereikarriere, eine Ida Schülein, geb. Baer. Die beiden bekamen in rascher Abfolge sechs Kinder: Julius, Franziska (Mimi), Hermann, Friedrich (Fritz), Elsa und Kurt.

Die Familie wohnte anfangs unter der Adresse „Am Einlass 4“ in der Nähe des Viktualienmarktes, ehe Josef Schülein 1902 sich von dem bekannten Architekten Leonhard Romeis in der Richard-Wagner-Straße 7 ein repräsentatives Haus im Historismus-Stil erbauen ließ, das heute als Einzeldenkmal in der Bayerischen Denkmalliste geführt wird. Josef Schülein war nicht nur kinderreich, sondern auch kinderlieb.

Seinen wirtschaftlichen Erfolg wollte er von Beginn an der Stadtbevölkerung, die ja auch seine Kunden waren, zurückgeben. Zeitlebens war er als Freund der einfachen Leute bekannt. Die Schüleins waren als großzügige Arbeitgeber geschätzt, ihre Löhne und sozialen Leistungen lagen stets über Tarif.

Josef Schülein unterstützte viele Haidhausener Vereine, verteilte regelmäßig bei Besuchen im Arbeiterviertel kleine Geldgeschenke an die Kinder auf der Straße, gründete Stiftungen und übernahm jedes Jahr Patenschaften für etwa 40 bis 50 Firmlinge, die er für den Festtag neu einkleidete, beschenkte und bewirtete. Am Ende seines Lebens war er Pate von ca. 2.000 Haidhausener Kindern. Auch im benachbarten neuen Stadtteil Berg am Laim tat sich der Brauereibesitzer sozial hervor: Er stiftete 21 Grundstücksparzellen mit je 1000 – 2500 m2 für den sozialen Wohnungsbau.

1920 benannte die Stadt München eine dort gelegene Straße und einen Platz nach ihm. 1928 stiftete er dort einen schönen Brunnen: Ein Steinbecken steht auf vier Säulen. Eine fünfte, dickere Säule durchbricht das Becken. An dieser Säule befinden sich vier Wasserzuläufe, und sie trägt die Bronzefigur eines Mälzerbuben. Die Straße und der Platz wurden von den NS-Machthabern am 5. Oktober 1933 in Halserspitzstraße und -platz umbenannt. Bald nach Kriegsende, am 7. August 1945, erfolgte die Rückbenennung in Schüleinstraße und Schüleinplatz. Beide heißen bis heute so, und auch der Schüleinbrunnen steht noch dort. Auch in Kaltenberg bzw. dem Ortsteil Geltendorf gibt es bis heute eine Schüleinstraße.

Seine Gattin Ida Schülein zeigte ebenfalls ein hohes soziales Engagement. So organisierte das Ehepaar während des Ersten Weltkriegs in den großen Räumlichkeiten des Münchner-Kindl-Kellers eine kostenlose Armenspeisung, in der täglich über vierhundert Portionen ausgegeben wurden und die sie persönlich leitete. Dadurch wurden viele Menschen in dieser Zeit vor dem Hungertod bewahrt. Das soziale Engagement lag in der Familie: Hermann Schülein schickte nach dem Krieg hunderte Care-Pakete nach München und beteiligte sich finanziell am Wiederaufbau des Alten Peter (die älteste Pfarrkirche Münchens) und des Nationaltheaters.

Später, aber verdienter Nachruhm

Josef Schülein, der außerhalb von München heute wenig bekannt ist, hatte maßgeblichen Anteil, dass München zur weltbekannten Bierstadt wurde. Vielen Münchnern blieb ihr „König“ mit seinem breitkrempigen Schlapphut, dem dunklen, weiten Mantel und einem buschigen Schnauzbart in Erinnerung. In zwei schönen, überlieferten Porträts ist das gut dargestellt. Eines davon, aus dem Jahr 1929, stammt von seinem Neffen Julius Wolfgang Schülein, der ein bekannter Maler wurde. Dieser musste aufgrund seiner von den Nazis als „entartete Kunst“ gebrandmarkten Bilder ebenfalls in die USA flüchten.

Es gibt aber zum Glück mittlerweile nicht nur einen Roman über das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, des „Königs von Haidhausen“, sondern er wird im Bewusstsein der Menschen als Münchner Original und Legende durch Websites und Printmedien immer präsenter. Die „Süddeutsche Zeitung“ betitelte 2022 einen Artikel über Josef Schülein: „Der Wohltäter, den die Nazis hassten“. Mehr Lob geht kaum.

Die bekannte amerikanische Bestsellerautorin Danielle Steel (über 500 Millionen verkaufte Bücher weltweit) ist – laut einer Genealogie Website – eine Urenkelin von Josef Schülein.

Quellen

  1. Haus der Bayerischen Geschichte, https://hdbg.eu/biografien/detail/joseph-schuelein/10105, abgerufen am 19.1.2026.
  2. https://blog.juedisches-museum-muenchen.de/bildgeschichten-josef-und-ida-schuelein/, abgerufen am 19.1.2026
  3. Wikipedia, abgerufen am 19.1.2026.
  4. https://rijo.hier-im-netz.de/pdf_2/DE_MU_JU_schuelein.pdf, abgerufen am 19.1.2026.
  5. Schinagl, E.: Der Bierkönig von München, Allitera Verlag, München, 2022.
  6. Assel, A.; Huber, C.: München und das Bier, Volk Verlag, München, 2009.
  7. Schäder, C.: Münchner Brauindustrie 1871-1945, Tectum Verlag, Marburg, 1999.

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