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Personen und Positionen

15.03.2022

Prof. Anton Piendl verstorben

Nachruf | Am 3. März 2022 verstarb Prof. Dr. Anton Piendl im Alter von 86 Jahren. Mit ihm ist ein Weihenstephaner Professor und Wissenschaftler gegangen, an den sich viele Generationen von Absolventen in Weihenstephan sicher gerne erinnern, hielt er doch mit der ihm eigenen Begeisterung u. a. die Vorlesung „Bier und Gesundheit“, ein immer gerne belegtes Wahlpflichtfach, basierend und immer wieder aktualisiert aufgrund seiner äußerst umfangreichen Literaturrecherchen.

Geboren am 15. Mai 1935 absolvierte Piendl nach dem Abitur in der Klosterschule Metten von 1955 bis 1958 in Weihenstephan das Studium zum Dipl.-Brau-Ingenieur. Anschließend startete er seine wissenschaftliche Karriere am Lehrstuhl für Technische Mikrobiologie und Technologie der Brauerei II in Weihenstephan.

Über Jahrzehnte hat Prof. Piendl eine Vielzahl von Studierenden zu intensiver Forschung bei Semester-, Diplom- und Doktorarbeiten auf den unterschiedlichsten Gebieten der Brauwissenschaft angeleitet, oft mit Themen, die zu ihrer Zeit hochaktuell waren und deren Analytik oft erst noch entwickelt werden musste.

Ausgehend von seiner eigenen Habilitationsschrift im Jahre 1965 waren immer wieder die unterschiedlichen Inhaltsstoffe von Gerste, Malz und Würze sowie ihre Auswirkungen auf die Gärung und damit auf die Bierqualität Themen der von ihm initiierten Forschungsarbeiten. Das begann mit Arbeiten über das Kohlenhydratspektrum, über Glycogen, über die Aminosäuren in allen Stadien der Bierherstellung und setzte sich dann fort über die immer weiterentwickelte gaschromatographische Analyse bis hin zu Bestimmung der Vitamine, der organischen Säuren, der Nucleinsäuren und der Mineralstoffe, von Zink bis Quecksilber. Darüber hinaus ging es um gärungstechnologische Faktoren und deren Einfluss auf all diese Substanzen bis hin zum Enzymhaushalt der Hefezellen in Abhängigkeit technologischer Parameter.

Ab den frühen 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts beschäftigte sich Prof. Piendl intensiver mit dem Thema „Bier und Gesundheit“ und publizierte die Ergebnisse seiner Literaturrecherchen in verschiedenen Büchern und Zeitschriften.

Auf größeres Interesse stießen auch seine Publikationen über isotonische Sportgetränke und isotonische alkoholfreie Biere. Nicht zu vergessen, sein Plädoyer für Leichtbiere aus ernährungsphysiologischer Sicht.

Viele Jahre beschäftigte sich Prof. Piendl mit der Zusammensetzung der unterschiedlichen Biere, vom alkoholfreien bis hin zu Starkbier, und das weltweit. Die zahlreichen Publikationen sind eine einzigartige Dokumentation der internationalen Biervielfalt in den damaligen Jahren.

Darüber hinaus verfasste er u. a. Bücher über „Brauereimuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, über „Die physiologische Bedeutung der Eigenschaften des Bieres“, „Biere der Welt (1-7)“, „Langzeitstudien Alkohol und Gesundheit“, „Bier und Gesund“, erschienen im Fachverlag Hans Carl, Nürnberg, aber auch über „Berühmte Persönlichkeiten und das Bier“ oder „Die Geschichte des Bieres“.

Neben seiner enormen wissenschaftlichen und publizistischen Arbeit war Prof. Piendl nicht nur ein „Bücherwurm“ im engeren Sinn des Wortes, sondern bei den Studierenden und vielen Brauern ein gern gesehener Gesprächspartner und Ideengeber, der sein ganzes Leben dem Thema „Bier als positivem Beitrag der menschlichen Ernährung“ gewidmet hat.