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Nachbericht

Die Teilnehmer des Weihenstephaner Seminars für Wassertechnologie 2018; Foto: Schmid/TUM
16.10.2018

Weihenstephaner Seminar für Wassertechnologie 2018

Auch in diesem Jahr lud die Arbeitsgruppe Wassertechnologie des Lehrstuhls für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik unter der Leitung von Dr. Karl Glas zum 12. Weihenstephaner Seminar für Wassertechnologie ein. Die Veranstaltung am 20. und 21. September 2018 fand im Zeichensaal des Lebensmittel-Technikums statt, sodass sich der eine oder andere Besucher des Seminars als ehemaliger Weihenstephaner an alte Zeiten zurückerinnert fühlte.

Die etwa 60 Teilnehmer wurden wie jedes Jahr auf den neusten Stand der Forschung gebracht zu zahlreichen Themen wie Heilwasser, Membrantechnik in der Wasseraufbereitung, Rückstandsproblematik und Mikrobiologie. Aber auch die IT-Sicherheit bot eine interessante Abwechslung.

Zum Auftakt gab Prof. Dr. Josef Schrädler, Direktor der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan, einen Einblick in die Entwicklung und Geschichte der Brauerei. Immer noch etwas weiter entfernt vom Thema Wasser, aber auch nicht zu vernachlässigen war der Vortrag von Mansoor Bley der Siemens AG. Er berichtete über die Konsequenzen digitaler Angriffe auf Industrieunternehmen und wie mit IT-Sicherheit die Anlagenverfügbarkeit erhöht werden kann.

Membrantechnologie

Welche Rolle Membranen in der Wassertechnologie spielen, führten die drei folgenden Referenten auf. In den letzten Jahren als Standardverfahren in der Wasseraufbereitung etabliert, referierte Dr. Thomas Scherer der Firma ATN Wasseraufbereitung über individuelle Lösungen für die Verwendung der Umkehrosmose (Reverse Osmosis, RO). Denn obwohl RO als Standardverfahren betrachtet wird, bestehen noch Herausforderungen bei der Auslegung und dem Bau der Anlagen. Eine RO-Anlagen-Auslegung müsse immer eine Einzelfallbetrachtung sein, nur so können Aufwand und Nutzen aufeinander abgestimmt werden.

Der Frage, ob Polyamid-Membranen und Chlordioxid zur Sanitisierung von RO-Membranen ein gutes Gespann sind, gingen Dr. Stephanie Holz, Dr. Küke GmbH, und Simon Hager, Arbeitsgruppe Wassertechnologie, nach. Sie erläuterten ihre Forschungsergebnisse und kündigten an, dass weitere Untersuchungen zeigen müssen, ob Chlordioxid als sinnvolle Alternative zu anderen Bioziden in der Membrantechnik in Betracht gezogen werden kann.

Dr. Uwe Müller vom DVGW-Technologiezentrum Wasser, Karlsruhe, ging auf die Anwendung von Polymer- und Keramikmembranen für die rückstandsarme Kalkwasserherstellung ein. Dabei könne durch das vorgestellte Membrankreislaufverfahren der Anfall von Rückständen um 80 Prozent reduziert werden. Zudem seien schnelle Anpassungen an wechselnde Produktionsmengen und eine hohe Automatisierbarkeit umsetzbar.

Heilwasser

Das Thema Heilwasser wurde durch Dr. Marion Wüstefeld-Würfel, Referentin für Ernährung und Gesundheit im Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V., eröffnet. Durch den im Vergleich zu Mineralwässern hohen Gehalt an Kalzium und Magnesium und deren nachweislich ebenso gute Bioverfügbarkeit wie aus Milch bzw. Vollkornbrot, könne Heilwasser zu einer verbesserten Nährstoffversorgung beitragen.

Dr. Frank Hebmüller, Ingenieurbüro Hebmüller GmbH, ging dem Thema der Neuerrichtung einer Abfüllanlage für Heilwässer aus Sicht eines Planungsbüros nach. Dabei sei hinsichtlich der Entwurfsplanung und Zulassungsverfahren besondere Aufmerksamkeit nötig, um den hygienischen Aspekten, der gewünschten Produktqualität und den gesetzlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Beendet wurde das Themenfeld Heilwasser durch Rainer Krisam, gempex GmbH. Er ging in seinem Vortrag auf Qualifizierung und Validierung von Heilwasser ein und welche Stolpersteine und Chancen dabei bestehen.

Tag 2

Der zweite Tag des Wasserseminars wurde durch Prof. Martin Jekel der TU Berlin, Fachgebiet Wasserreinhaltung, und einem Überblick über das Vorkommen und die Entfernung von organischen Spurenstoffen eröffnet. Dabei ging er besonders auf die Verfahren der Ozonierung und der Aktivkohleadsorption ein. Für die Zukunft gab er den Anstoß, über eine Kombination der beiden Verfahren nachzudenken.

Über den erfolgreichen Einsatz von Chitosan, einem Biopolymer, dass durch Deacetylierung des nachwachsenden Rohstoffs Chitin gewonnen wird, berichtete Dr. Dana Schwarz, Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. Chitosan wurde als Flockungsmittel zur Entfernung von Eisen- und Sulfationen aus Oberflächengewässern getestet, um somit die Spree von erhöhten Ionenkonzentrationen, die durch den ehemaligen Braunkohleabbau verursacht werden, zu reinigen. Das erfolgreich getestete Verfahren bietet neben seiner Umweltfreundlichkeit auch die Möglichkeit, das im Flockungsschlamm enthaltene und abgetrennte Eisen wiederzuverwenden.

Kenneth Walsh von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf stellte die Möglichkeit der Schwermetalladsorption mit Mikro-Adsorbentien vor. Durch den steigenden Bedarf an selektiven Verfahren zur Wasseraufbereitung und die energie- und rohstoffintensive Herstellung granulierter Adsorbentien können feinkörnige Adsorbentien eine wirtschaftlichere Alternative darstellen, so Walsh.

Mikrobielle Brennstoffzelle

Die mikrobielle Brennstoffzelle als Kombination aus Kraftwerk und Kläranlage. Mit diesem Thema beschäftigen sich Sarah Brunschweiger der Arbeitsgruppe Wassertechnologie und Emile Tabu Ojong von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Denn die mikrobielle Brennstoffzelle stellt ein neuartiges Verfahren dar, um Abwasser biologisch zu reinigen und gleichzeitig Strom zu gewinnen. Somit könnte dies eine neue Methode der Energieintegration in der Brauindustrie darstellen und eine Alternative zur aneareoben Abwasseraufbereitung mit Biogasgewinnung sein, da deutlichen höhere Ausbeuten an elektrischer Energie erreicht werden können. Das Wasserseminar beendete Dipl.-Geol. Hans-Joachim Betko mit seinem Vortrag über die mikrobiologische Methanbildung.

Mit dem Ausblick ins nächste Jahr und der Ankündigung des 13. Wasserseminars für September 2019, verabschiedete sich Dr. Karl Glas von den Teilnehmern. Er und seine Mitarbeiter der Arbeitsgruppe schauen auf ein erfolgreiches Event zurück.