H. Schuhmann freute sich über den Erfolg seiner Bemühungen
14.05.2024

Von Kaltenberg nach China

Zusammenarbeit | Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es sein kann, dass eine chinesische Brauerei beim Verkostungswettbewerb European Beer Star die „typisch süddeutsche“ Kategorie „süddeutsches Hefe Weißbier hell“ 2022 und 2023, also zweimal in Folge für sich entscheiden konnte?

Des Rätsels Lösung ergab sich im Umfeld des 56. Technologischen Seminars in Weihenstephan Mitte März 2024 im BRAUWELT-Gespräch mit Harald Schuhmann, Technischer Direktor der König Ludwig International GmbH & CO in Kaltenberg.

Die Goldmedaille gewonnen hatte in diesen Jahren die Urbrew Craft Beer Company aus Handan in der Provinz Hebei, eine chinesische Greenfield-Brauerei. Ein Investor hatte seinerzeit, bei noch steigendem Bierkonsum in China, einen geeigneten Anlagenbauer sowie eine Marke gesucht und war bei der Fa. Krones fündig geworden. Durch die guten Beziehungen von Krones-Inhaber Volker Kronseder zu Prinz Luitpold von Bayern entwickelten sich daraus ein Auftrag und eine Lizenz für die Kaltenberger Produkte, unter anderem König Ludwig Weissbier.

Schuhmann machte sich zunächst daran, mit Krones eine Anlagenkonfiguration festzulegen, die es ermöglicht, die Kaltenberger Biere in China zu produzieren, selbstverständlich auch dort nach dem Reinheitsgebot. Zudem gab er die Rohstoffspezifikationen vor, verfasste die Produktionsinstruktionen, etablierte die Qualitätssicherung für die König Ludwig International (KLI)-Produkte und führte die Mitarbeiter vor Ort anfangs persönlich durch den Produktionsprozess bis zum fertigen Bier. „Schon die ersten Produktionen konnten in gewünschter Qualität verkauft werden, frühe Chargen wurden sowohl von den Verkostern bei der TU München als auch von den Doemens Biersommeliers nach DLG-Kriterien jeweils im Goldbereich bewertet. Von den Doemens Biersommeliers sogar mit der maximal möglichen Punktzahl, mit glatten 5,0 DLG-Punkten, übrigens auch für dort hergestelltes König Ludwig Dunkel,“ freute sich Schuhmann.

Nachdem der Lizenzvertrag ausgelaufen war, konnte Urbrew ein Weißbier als Eigenmarke zum Wettbewerb senden - mit dem oben genannten Erfolg. „So wird verständlich und nachvollziehbar, dass der Erfolg kein Zufall war, dass das Knowhow direkt aus Kaltenberg geliefert wurde und durch meine Ausbildung hier an der TU München-Weihenstephan und frühere Tätigkeit als Produktionsleiter, später als Leiter Qualitätssicherung beim deutschen Lizenzpartner König Ludwig Brauerei der Bezug zu Süddeutschland hergestellt ist,“ sagte Schuhmann. UrBrew hat sich vor kurzem schriftlich bei ihm für seine frühere Führung bedankt, die zum Gewinn der zwei Goldmedaillen beim EBS geführt hat.

Das war aber gar nicht seine größte Herausforderung bei dem Projekt, wie er im Gespräch verriet: Um überhaupt Weißbier als Lizenzprodukt zu realisieren, musste Schuhmann vorausgehend einen Paradigmenwechsel im Hause Kaltenberg herbeiführen und Prinz Luitpold zum Abschied von seiner geliebten Weißbiertechnologie „Flaschengärung“ bewegen. Schuhmann sah im Ausland keine Chance, die Flaschengärung für Lizenzen umzusetzen: zu teuer, zu kompliziert und qualitativ zu riskant. Es habe fast drei Jahre und viele Überzeugungsrunden gedauert, bis schließlich 2010 zunächst der deutsche Partner – die König Ludwig Brauerei – auf eine neue Technologie umgestellt werden konnte, die auch für Lizenzen im Ausland geeignet ist. Das gelang völlig geräuschlos und vom Konsumenten unbemerkt.

So war der Weg frei für Weißbierlizenzen im Ausland, die dann auch zügig kamen, unter anderem eben in China.

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