Branche im Übergang
Nein, ich erspare Ihnen jetzt den Hinweis auf all die negativen Schlagzeilen über Alkoholverzicht, abnehmenden Bierkonsum, Energieverteuerung und die Weltlage im Allgemeinen. Sie gibt es durchaus auch noch, die positiven Entwicklungen und Lichtblicke.
Fest verankert – Anouk Buskens von Yougov Deutschland zum Beispiel beschreibt in ihrem Beitrag über Markttrends ab Seite 209 die Braubranche als ein „Segment im Übergang“. Für sie befindet sich die Branche weder in einem klassischen Wachstumszyklus noch in einem strukturellen Niedergang. Zu beobachten sei vielmehr eine Ausdifferenzierung nach Lebensstilen, Nutzungssituationen und Altersgruppen. Alkoholfreie Getränke entwickeln sich zu einer wichtigen Ergänzung, ohne den Kernmarkt zu verdrängen. Bier bleibe fest im Konsumalltag verankert. Gute Chancen hat, wer die richtige Kundenansprache findet.
Energetische Transformation – Auch im Beitrag von Marvin Wirtz und Matthias Kern, IGS, Hallbergmoos, zum Energieeinsatz in Brauereien ab Seite 195 zeichnet sich Positives ab. Der heutige Teil 2 zum Betriebevergleich Energie (BVE) richtet seinen Fokus auf die bezogenen Energieträger. Der Vergleich mit der Vergangenheit zeigt, dass die Transformation hin zu regenerativer Energie und zu größerer Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern sicher noch weitergehen muss, aber z.B. im Bereich Eigenstromerzeugung und -nutzung bereits erfreuliche Ausmaße annimmt.
Digitalisierung mit Folgen – Die Digitalisierung der Getränkebranche hat in den letzten Jahren ein Ausmaß entwickelt, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Das hat Folgen: Produktionslinien sind heute hochvernetzte cyber-physische Anlagen (wie man auch am Einsatz mobiler Robots in der neuen Abfüllung bei Veltins ab Seite 203 sehen kann). Ohne gemeinsame Datensprache aller Anlagenteile funktioniert das aber nicht. Christoph Nophut, Weihenstephan, erläutert ab Seite 192 die Rolle der Weihenstephaner Standards als Kommunikationsschnittstelle im Rahmen der OPC UA, die es letztendlich auch kleineren Unternehmen ermöglichen soll, Digitalisierungspotenziale zu nutzen. Gleichzeitig steigen mit der Vernetzung auch die Cyberrisiken. Das weiß die österreichische Pilz GmbH aus leidvoller eigener Erfahrung. Ab Seite 206 erläutert Gerhard Stockhammer, welche Vorsichtsmaßnahmen heute bereits vorgeschrieben sind, zeigt häufige Schwachstellen auf und betont, dass Cyber Security zwar eine technische, aber vor allem organisatorische Aufgabe ist.
Autoren
Lydia Junkersfeld
Quelle
BRAUWELT 6, 2026, S. 183